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Samstag, 19. November 2011

Nicht beleidigungsfähig

Die Anweisungen des BFV sehen vor, dass der Schiedsrichter mindestens eine Stunde vor Spielbeginn am Spielort eintreffen soll. Viele meiner Kollegen und auch ich handhaben das so, dass wir uns, zumindest bei höherklassigen Spielen (> Kreisliga) noch eine halbe Stunde mehr gönnen. Einerseits müssen wir oft sehr weit fahren, was Probleme im Verkehr, wie Stau oder Umleitungen, mit sich bringen kann. Andererseits geht man viel entspannter ins Spiel, wenn man vorher noch gemütlich einen Kaffee trinken und dem Vorspiel (bei uns idR - noch - die Reservemannschaften) zusehen kann.

Montag, 8. August 2011

Anfängerfehler in den Bundesliga

Der erste Bundesligaspieltag ist rum und schon gibt es den ersten Diskussionsstoff. Ich greife mir an dieser Stelle mal das das Tor zum 1:0 im Spiel Hannover 96 gegen TSG 1899 Hoffenheim heraus. Ab 1:45 ist der Freistoß zu sehen, durch den es erzielt wurde:



Torwart Tom Starke schimpfte laut weltfussball.de nach dem Spiel, es wäre ein Regelverstoß, wenn der Schiedsrichter den Ball bei einem Freistoß nur durch ein Handzeichen frei gäbe.
Damit hat er grundsätzlich recht. Wenn der Ball vom Schiedsrichter gesperrt wurde, um die Mauer zu stellen, muss er das Spiel danach zwingend durch Pfiff freigeben.
Nur hatte Schiri Thorsten Kinhöfer in dieser Situation den Ball gar nicht gesperrt - dementsprechend gab es auch nichts frei zu geben. Er fragte den späteren Torschützen Schlaudraff lediglich, ob dieser das Mauerstellen wolle, was er verneinte.
Starke passierte also ein typischer Anfängerfehler, den ich persönlich zum letzten Mal vor 4 Jahren auf einem Turnier von Freizeitmannschaften miterleben durfte.

Bei einem Freistoßpfiff, ist der Ball grundsätzlich frei, um eine schnelle Wiederaufnahme des Spieles zu ermöglichen, die gefoulte Mannschaft soll ja einen Vorteil durch den Freistoß haben. Der Schiedsrichter kann die schnelle Spielfortsetzung allerdings unterbinden, indem er den Ball sperrt, um beispielsweise einen verletzten Spieler behandeln zu lassen oder einen Spieler zu ermahnen/verwarnen.
Stehen Gegenspieler weniger als 9,15m von Ball entfernt, muss grundsätzlich der ausführende Spieler das Mauerstellen verlangen. Aus Praktikabilitätsgründen fragt der Schiri bei Freistößen kurz vor dem Tor auch nach, ob er die Mauer stellen soll. Erst dann wird der Ball gesperrt, was er laut sagt und idR auch durch ein Zeichen anzeigt. Bevor das nicht geschehen ist, sollte der Torwart auf alle Fälle den Ball im Blick behalten.
Was die Freistoßausführung betrifft, lief also alles regelkonform ab.

Dienstag, 5. Juli 2011

Bloggende WM-Schiedsrichterinnen

via Fritten, Fußball & Bier bin ich gerade auf den Blog der amerikanischen WM-Schiedsrichterinnen gestoßen. War man bei der WM der Herren an eine gewisse Wortkargheit seitens der Schiris gewöhnt (man erinnere sich an den, von der FIFA verhängten, "Maulkorb"), gibt das Gespann hier einen schönen Einblick in den WM-Alltag. Lesenswert.

Hier der Link: http://usarefswwc2011.blogspot.com/

Sonntag, 3. Juli 2011

Also langweilig ist es ja nicht

Vor einer Stunde ging das Spiel Australien gegen Äquatorial-Guinea zu Ende. Es war sehr unterhaltsam. Allerdings weniger aus dem sportlichen Blickwinkel, sondern mehr wegen den Kuriositäten.

Das Krasseste vorneweg:
(Das Video wurde übrigens noch während des Spiels hochgeladen)


Ana Christina Bruna fing den Ball tatsächlich mit beiden Händen, worüber sie sich anscheinend selbst wunderte. Und dann blieb das ganze auch noch ungeahndet! (Btw hier nochmal informatorisch die Voraussetzungen für das strafbare Handspiel, Absicht war hier zweifelsfrei gegeben, lediglich die Frage, ob es unsportlich war, könnte problematisch sein, aber diese Frage stellt sich nur bzgl. einer Gelben Karte) Sehr bemerkenswert finde ich auch, dass die Kommentatorin Claudia Neumann erst in der Wiederholung das Handspiel als klar erkannte.

Dann war da noch das Tor zum 3:1 für Australien. Zwei Spielerinnen waren im Mittelfeld zusammengestoßen und eine Afrikanerin blieb liegen, woraufhin Äquatorial-Guinea aufhörte zu spielen. Die Australierinnen nutzten dies aus und schossen nach einem weiten Ball in den Strafraum das Tor.

Was mich auch verblüffte, war die unsportliche Energie, mit der Spielerinnen von Äquatorial-Guinea zuweilen in die Zweikämpfe gingen. Bei zwei Fouls war der Ball schon deutlich außer Spielweite, als sie noch zu grätschen bagannen und die Australierinnen unfair stoppten. Anderenfalls wäre die Spielerin weg gewesen.

Und zu guter Letzt noch die beiden eklatanten Abwehrfehler der Australierinnen, die zum 1:1 und zum 2:3 führten. Dabei wird einem in der C-Jugend schon eingebläut, dass man als letzter Abwehrspieler nicht in Zweikämpfe geht.

Das Spiel blieb so bis zur letzten Minute spannend. Wie gesagt, weniger aufgrund der spielerischen Leistung. Vielmehr wartete man immer darauf, was denn als nächstes passieren würde. Für den Frauenfußball finde ich das schade, andererseits werde ich mir deshalb auch die anderen Spiele ansehen.

[edit, 7.7.11]:
Das obige Video ist leider nicht mehr verfügbar, weil die FIFA ihre Urheberrechte verletzt sieht. mal sehen, wie lange das hier verfügbar sein wird:

Sonntag, 5. Juni 2011

Sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit

Auch wenn man ein Spiel im Gespann leitet, kann es Situationen geben, die keiner der drei Schiedsrichter zweifelsfrei beurteilen konnte. Umso wichtiger ist es dann, wie man die darauf folgende Entscheidung verkauft.

Eine solche Situation hatten wir gestern in einem Relegationsspiel. Keiner von uns konnte zweifelsfrei entscheiden, ob es sich um ein Foul handelte oder nicht. Vom Ablauf her, sprach zwar einiges dafür, allerdings "suchte" der Stürmer regelrecht nach dem Bein des Verteidigers, sodass uns erhebliche Zweifel blieben, also ließen wir weiterspielen. Nach dem Spiel stellte sich dies als einzige diskussionswürdige Entscheidung heraus. Sämtliche Schiedsrichterkollegen, die mitunter in unmittelbarer Nähe des Geschehens an der Seitenlinie saßen, mussten eingestehen, dass es sehr schwer zu beurteilen war. Insgesamt hätten wir die Entscheidung aber sehr gut vertreten, da der Schiri eigentlich gut stand und durch seine Körpersprache keinen Zweifel an der Richtigkeit zuließ.

Alles in allem war es ein interessantes und faires Spiel vor ca. 500 Zuschauern. Im Vergleich zu den letzten Jahren, bekommen solche Entscheidungsspiele einen immer professionelleren Touch. Es war hervorragend organisiert, der neutrale Platzverein war gut vorbereitet, die Mannschaften verhielten sich vorbildlich. So macht pfeifen (oder in meinem Fall: "Fahne winken") Spaß!
Bilder vom Spiel (und auch von mir ;) ) gibt's übrigens hier in der FuPa-Bildergalerie.

 Quelle: www.fupa.net

Montag, 23. Mai 2011

Öfters mal 'n Päuschen - nicht!

Ich dachte früher immer, Fußball wäre ein "richtiger Männersport". Aber seit ich Freunde habe, die mir von ihren Erfahrungen beim American Football und Eishockey berichten, bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Jetzt sehe ich so ein Fußballspiel, was das Jammern der Spieler betrifft, aus einer etwas anderen Perspektive.

Ein Beispiel:
Bei einem meiner letzten Spiele hatten wir sehr schönes Wetter, 23 Grad mit Schleierwolken am Himmel. Da muss man beim Fußball durchaus mal schwitzen.
Die Spieler waren in der 80. Minute schon ziemlich platt, als ich von einer Dame am Spielfeldrand den Satz "Mei, der Schiri macht ja auch keine Trinkpause!" hörte. Ich dachte zuerst, das wäre ironisch gemeint und auf die schlechte Kondition der Spieler bezogen und lachte sie an. Darauf regierte sie relativ empört und fragte mich, warum ich denn da auch noch lache? Sie hatte es also ernst gemeint. Nun gut.
Nach dem Spiel erfuhr ich von einem meiner Linienrichter, dass auch ein Betreuer das Fehlen einer Trinkpause bemängelte...

Es gibt seit einiger Zeit (ich glaube seit dem "Jahrhundertsommer 2006") tatsächlich die Möglichkeit für den Schiedsrichter, zur Hälfte jeder Halbzeit eine kurze Trinkpause einzulegen. Aber eben nur bei außerordentlich hohen Temperaturen. 23 Grad zählen für mich da nicht dazu.
Ich bin der Meinung, dass man durchaus mal 45 Minuten ohne "richtige" Pause aushalten kann. Es ist ja nicht so, dass die Spieler gar nichts trinken, in fast jeder kleineren Pause (Ball holen, Torjubel, Verletzung) holen sich einige eine Erfrischung. Da braucht es nicht auch noch eine längere Unterbrechung durch mich. Das zieht das Spiel nur in die Länge. Und wie ein Schirikollege einmal sagte: "Überstunden werden nicht bezahlt!".
Als nächstes machen wir dann, fünf Minuten nach der Trinkpause, eine Pinkelpause...

Montag, 11. April 2011

Fast wie Fahrradfahren

So, die ersten beiden Spiele nach der Winterpause liegen nun hinter mir. Nach der langen Pause dauerte es ein wenig, wieder rein zukommen, aber ich habe beide Spiele gut über die Bühne gebracht.
Was mir aber besonders auffiel: Ich tat mich schwerer als sonst, nicht zu viel mit den Spielern zu reden. Ständig hatte ich das Bedürfnis, Entscheidungen, die nicht sofort akzeptiert wurden, zu erklären. Hoffe, das geht in den nächsten Spielen besser.

Und beinahe wäre mir in einem Spiel ein typischer Anfängerfehler passiert. Es gibt im Fußball sogenannte "Pflichtverwarnungen", also gelbe Karten, die im Regelwerk zwingen vorgeschrieben sind und bei denen der Schiri keinen Ermessensspielraum hat. Eine solche gibt es beispielsweise beim unsportlichen Halten (der ballführende Spieler ist zu schnell für den Verteidiger und letzterer hält ihn an Arm/Trikot/Hose/usw. fest).
Dies geschah bereits in der 4. Minute und ich zeigte pflichtbewusst die gelbe Karte. Schon beim Zeigen, dachte ich mir, ob ich mich damit nicht in Zugzwang brächte. Im Folgenden kam es nämlich zu weiteren Fouls, die ich normalerweise mit Ermahnungen und paar blöden Sprüchen locker im Griff gehabt hätte. Wegen der frühen Verwarnung musste ich aber bis zur Pause doch noch zwei Mal in die Tasche greifen.
Glücklicherweise wollten die Mannschaften nur Fußball spielen und verzichteten auf weitere Unsportlichkeiten (was natürlich auch auf meine souveräne Spielleitung zurück zu führen ist ;) ) und ich ging mit insgesamt fünf Verwarnungen und zwei relativ zufriedenen Mannschaften aus der Partie hinaus.
Obwohl das Spiel, trotz der frühen Karte, ruhig verlief, bin ich immer noch am überlegen, ob es nicht besser gewesen wäre, am Anfang auf die Verwarnung zu verzichten, also zugunsten des Spielcharakters einen relativ unbedeutenden Regelverstoß zu begehen. Den Spielern und Zuschauern hätte es sicher nichts ausgemacht.

Donnerstag, 7. April 2011

Nachspielzeit

Eigentlich wollte ich mich mal wieder durch eigenen content hervortun, aber ich komme nicht umhin zunächst mal meine Freude über diesen Post vom Pornoanwalt kundzutun:


via Pornoanwalt via I Believe In Advertising

Montag, 28. März 2011

Statistisch gesehen...

Nächste Woche beginnt für mich, nach langer Zwangspause, endlich wieder die Fußball- und damit die Schirisaison. Also ist an dieser Stelle auch wieder vermehrt mit sportlichen Posts zu rechnen.

Passend dazu stieß ich heute auf den Graphitti-Blog, welcher sich an dieser Stelle mit Schiedsrichtern beschäftigt. Dass ich auf das schärfste protestiere, dürfte sich von selbst verstehen ;)

Freitag, 24. September 2010

Verloren im Weltweitnetz XVI - Zu früh gefreut

Mal wieder etwas aus der Fußallecke: Wir reisen ein wenig in den Süden. Ein Spiel um den marokkanischen Pokal. Es geht unentschieden aus, also "Schüsse von der Strafstoßmarke zur Spielentscheidung" (Regel 14) oder kurz: Elfern.

Sonntag, 5. September 2010

Schiedsrichter ersticht Spieler

In Brasilien hat ein Schiedsrichter im Spiel einer Amateurliga einen Spieler getötet und einen weiteren schwer verletzt.
Schiri Francisco Chaves hatte einen Freistoß gegeben. Der Spieler Jose da Silva war daraufhin so aufgebracht, dass er dem Unparteiischen einen Tritt versetzte.

Francisco da Silva, der Bruder des Angreifers, kam ihm zu Hilfe. Daraufhin zog Chaves ein Messer und stach auf die Brüder ein. Jose starb noch auf dem Feld, Francisco wurde schwer verletzt. Chaves konnte flüchten und wird von der Polizei gesucht.

So weit die Informationen aus den Nachrichten.

Einige Fragen bleiben leider offen: Wieso musste Francisco seinem Bruder zu Hilfe eilen? Dieser hatte doch zuerst getreten. Und in wie weit bedrohten die Spieler den Schiedsrichter?
Ich will jetzt den Schiedsrichter nicht verteidigen, auch wenn ich zweifellos Parteiisch bin. Aber ich finde schade, dass zu diesem Fall nicht mehr Fakten zu finden sind.

Meiner erste Quelle befindet sich im Passwortgeschützten Bereich des Bayerischen Fußballverbandes, ist ergo nicht verlinkbar.
Google spuckt aber einen Haufen Ergebnisse aus, die so gut wie inhaltsgleich sind. Statt vieler sei hier ntv.de genannt.

Sonntag, 15. August 2010

Nazis raus!

Ich bin momentan ein wenig fassungslos ob der Geschehnisse in den letzten Tagen in meiner Heimat. Ich weiß zwar, dass es "bei uns im Wald" ein paar politisch desorientierte Seelen gibt. Aber ich habe noch nicht erlebt, dass sie sich so offen äußern.

Zunächst bei meinem letzten Spiel, dass ich als Schiri leitete. Obwohl es in dem Spiel noch zu keinen Unsportlichkeiten gekommen war, fühlte sich ein älterer Zuschauer berufen, einen ausländischen Spieler der gegnerischen Mannschaft eine "Ausländersau" zu nennen. Da kann man doch beim besten Willen kein Auge mehr zudrücken! Ich ließ den Herren sofort aus dem Stadion werfen. Aber zumindest wurde diese Entscheidung von allen Seiten positiv beurteilt, was meine Hoffnung bestärkt, dass es sich bei diesem Zuschauer um einen Einzeltäter handelt.

Dann gab es gestern eine NPD-Kundgebung in Viechtach. In diesem kleinen, beschaulichen Dörfchen Städtchen! Ich hab's leider nicht mit eigenen Augen gesehen und weiß es nur vom Erzählen. Auch Google konnte mir nichts näheres darüber sagen.
Wenn die Tatsache, dass ein Paar Teilnehmer beim Verzehr eines Döners gesehen worden sein sollen, nicht lustig wäre, wär's traurig...

Mittwoch, 12. Mai 2010

Pausenbeschäftigung

Mal wieder was für die Fußballabteilung dieses Blogs:
Fußballplätze und die dazugehörigen Vereinsheime und Umkleidekabinen unterscheiden sich in Aufbau und Ausstattung teilweise eklatant.
Es gibt Umkleiden, die für einen einzelnen Schiri schon zu klein sind, geschweige denn für ein Gespann. Auf der anderen Seite war ich auch schon in modernen Neubauten, in welchen jeder Schiri seine eigene Dusche hat.
Neulich war ich bei einem Verein, wo die Schiris im Keller untergebracht sind. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen. Man zieht sich dort im Saunaraum um, ergo ist es sehr sauber, geräumig und man hätte sogar mehrere Liegestühle.

Das einzige Problem:

Samstag, 24. April 2010

Verloren im Weltweitnetz XII - Ansage

Ich werde oft gefragt, was ich als Schiedsrichter denn zu einem Spieler sage, wenn ich ihm eine Gelbe Karte gebe. Das konnte ich noch nie wirklich beantworten. Die Möglichkeiten reichen vom schweigen, über "weißte bescheid!" und "Ab jetzt langsam reiten, Cowboy!" bis zu zu "Herr Meier/Müller/Schmidt, das war ihr drittes Foul, sie waren bereits ermahnt. Hiermit sind sie verwarnt!". Hm, wobei die letzte, höflichste Form wohl am seltensten dran kommt.
Was ich aber möglichst bald ausprobieren muss ist folgendes:
"So solle diese Unglückstat auf ewig dir im Kalender stehen, Schurke!"

Montag, 22. März 2010

Und der Schiri ist doch kein Richter...

Juhe! Endlich wieder ein Wochenende mit Fußball hinter mir. Und dann gleich zwei Spiele. So sehr ich im November die Pause herbeisehnte, so viel Spaß hat’s mir diesmal gemacht.

Aber sogleich wird es wieder Zeit für Regelkunde:
Die Gastmannschaft hatte den Spielerpass des Ersatztorwartes vergessen. Für die Fußballlaien: Ohne diesen darf er nicht am Spiel teilnehmen, sprich eingewechselt werden.
Vor dem Spiel kommt der Trainer auf uns* zu, teilt uns dies mit und endet mit der Frage: „Wenn wir den trotzdem einwechseln, müssen wir den Pass dem Sportgericht nachreichen und sonst nix, oder?“
Unsere Standardantwort beim Thema Sportgericht, die eigentlich von jedem Schiri kommen muss: „Das hängt vom Gericht ab und nicht von uns. Wir schreiben nur eine Meldung darüber, falls der Pass nicht bis Spielende vorgelegt werden kann.“
Der Trainer hakt nach. Letztes Mal sei das doch auch so gewesen. Wir müssten das doch wissen.
Genau hier machen viele Schiris einen Fehler: Sobald ich dem Trainer recht gebe („Ja wenn das da so war, dann dieses Mal sicher auch“), wird er mich darauf festnageln. Sollte das Sportgericht nämlich anders entscheiden, wird er sich auf mich berufen. Und gerade im Wiederholungsfall bietet sich eine härtere Strafe ja an.
In dieser Situation ist der Schiri eben weniger Richter, als vielmehr Polizist (bah… dieser Vergleich passt mir irgendwie gar nicht…), der die „Straftat“ weiterleitet.

Der Ersatztorwart wurde übrigens nicht gebraucht. Wir haben ihn einfach aus dem Spielbericht gestrichen. So waren alle fein raus. Insbesondere sparten wir uns das Meldung Schreiben

*das ist kein Pluralis Majestatis, sondern meint das Schiedsrichtergespann; beim Durchlesen kam's mir bisschen komisch vor ;)

Dienstag, 19. Januar 2010

Endlich wieder Fußball! oder: Phantomtor nach Jahren wieder aufgetaucht!

Seit diesem Wochenende ist wieder Bundesliga. Und gleich am ersten Spieltag nach der Winterpause, gab es eine interessante Schiedsrichterentscheidung, die dem MSV Duisburg und dem FSV Frankfurt einen Platz in jedem Jahresrückblick sichert:
Duisburg führte in der 81. Minute mit 4:0, als Tiffert mit einem Fernschuss die Latte traf. Der Ball prallte zurück und sprang einen Meter vor der Torlinie wieder auf. Schiedsrichterassistent Thomas Münch zeigte daraufhin ein Tor an. Schiedsrichter Marco Fritz schloss sich ihm an.

Diese Entscheidung bietet sich natürlich richtig schön dafür an, über Schiedsrichter zu schimpfen. Alle blind und haben keine Ahnung von Fußball.
Auch wird an sämtlichen Orten, die für sachliche und hochanspruchsvolle Diskussionen bekannt sind (YouTube-Kommentare, SPON-Forum usw.), wieder mal über den Videobeweis debattiert.
Aber so gut wie keiner sagt etwas zur Rolle der Duisburger Spieler. Wenn man sich das Video unten ansieht, könnte man auf den Gedanken kommen, alle Spieler hätten gesehen, dass der Ball nicht drin war. Wäre es da nicht sportlich gewesen, den Schiri auf seinen Fehler aufmerksam zu machen? Zumal es sowieso schon 4:0 stand?

Der Reporter im Video meint auch, der Referee hätte selbst sehen müssen, dass der Ball nicht drin war. Einerseits könnte man dem, ob der Deutlichkeit von einem Meter, durchaus zustimmen. Allerdings hatte ich selber schon mal ein Spiel, in dem es zu vier (!) knappen Torentscheidungen kam. Ich ließ damals, entsprechend meines SRA, alle weiter spielen. Dabei soll aber einmal der Ball über der Linie gewesen sein und auch da sagte der Beobachter, das hätte ich selbst sehen müssen. Meine Meinung dazu: Nein. Man ist als SR auf so viele Dinge konzentriert, dass man einfach nicht auf alles aufpassen kann, zumal das Tor in den Aufgabenbereich des Assistenten fällt. Ich bin doch froh, wenn ich meine Augen nicht überall haben muss, weil mir einer hilft.
Das „Tor“ geht also voll auf die Kappe des Assistenten Thomas Münch. Er hat einen typischen Anfängerfehler gemacht: Er war zu voreilig. Es passiert oft (auch mir), dass man als Schiri alles richtig machen will und deshalb so schnell wie möglich entscheidet. Auf der einen Seite ja durchaus löblich. Auf der anderen Seite macht man sich damit leicht selbst Probleme. Hat man nämlich eine knappe Entscheidung, ist es oft besser, erst mal die Reaktion der Spieler abzuwarten. Wenn man draußen steht und sieht dass der Ball sich knapp an der Torlinie bewegt, aber keiner der Angreifer macht Anstalten zu jubeln, dann kann das durchaus ein Zeichen dafür sein, dass der Ball noch nicht drin war. Auch hier war es so, dass die Spieler erst nach dem Pfiff des Schiris und einem kurzen Moment des Erstaunens, die Arme in die Luft streckten. Hätte Münch einfach noch ein paar Sekunden (zwei hätten wohl gereicht…) gewartet, hätte er sicher anders entschieden.

Was die Konsequenzen betrifft: Die beteiligt Schiris werden wohl eine kleine Pause bekommen. Kann mir vorstellen, dass sie die auch brauchen.