Dienstag, 19. Januar 2010

Endlich wieder Fußball! oder: Phantomtor nach Jahren wieder aufgetaucht!

Seit diesem Wochenende ist wieder Bundesliga. Und gleich am ersten Spieltag nach der Winterpause, gab es eine interessante Schiedsrichterentscheidung, die dem MSV Duisburg und dem FSV Frankfurt einen Platz in jedem Jahresrückblick sichert:
Duisburg führte in der 81. Minute mit 4:0, als Tiffert mit einem Fernschuss die Latte traf. Der Ball prallte zurück und sprang einen Meter vor der Torlinie wieder auf. Schiedsrichterassistent Thomas Münch zeigte daraufhin ein Tor an. Schiedsrichter Marco Fritz schloss sich ihm an.

Diese Entscheidung bietet sich natürlich richtig schön dafür an, über Schiedsrichter zu schimpfen. Alle blind und haben keine Ahnung von Fußball.
Auch wird an sämtlichen Orten, die für sachliche und hochanspruchsvolle Diskussionen bekannt sind (YouTube-Kommentare, SPON-Forum usw.), wieder mal über den Videobeweis debattiert.
Aber so gut wie keiner sagt etwas zur Rolle der Duisburger Spieler. Wenn man sich das Video unten ansieht, könnte man auf den Gedanken kommen, alle Spieler hätten gesehen, dass der Ball nicht drin war. Wäre es da nicht sportlich gewesen, den Schiri auf seinen Fehler aufmerksam zu machen? Zumal es sowieso schon 4:0 stand?

Der Reporter im Video meint auch, der Referee hätte selbst sehen müssen, dass der Ball nicht drin war. Einerseits könnte man dem, ob der Deutlichkeit von einem Meter, durchaus zustimmen. Allerdings hatte ich selber schon mal ein Spiel, in dem es zu vier (!) knappen Torentscheidungen kam. Ich ließ damals, entsprechend meines SRA, alle weiter spielen. Dabei soll aber einmal der Ball über der Linie gewesen sein und auch da sagte der Beobachter, das hätte ich selbst sehen müssen. Meine Meinung dazu: Nein. Man ist als SR auf so viele Dinge konzentriert, dass man einfach nicht auf alles aufpassen kann, zumal das Tor in den Aufgabenbereich des Assistenten fällt. Ich bin doch froh, wenn ich meine Augen nicht überall haben muss, weil mir einer hilft.
Das „Tor“ geht also voll auf die Kappe des Assistenten Thomas Münch. Er hat einen typischen Anfängerfehler gemacht: Er war zu voreilig. Es passiert oft (auch mir), dass man als Schiri alles richtig machen will und deshalb so schnell wie möglich entscheidet. Auf der einen Seite ja durchaus löblich. Auf der anderen Seite macht man sich damit leicht selbst Probleme. Hat man nämlich eine knappe Entscheidung, ist es oft besser, erst mal die Reaktion der Spieler abzuwarten. Wenn man draußen steht und sieht dass der Ball sich knapp an der Torlinie bewegt, aber keiner der Angreifer macht Anstalten zu jubeln, dann kann das durchaus ein Zeichen dafür sein, dass der Ball noch nicht drin war. Auch hier war es so, dass die Spieler erst nach dem Pfiff des Schiris und einem kurzen Moment des Erstaunens, die Arme in die Luft streckten. Hätte Münch einfach noch ein paar Sekunden (zwei hätten wohl gereicht…) gewartet, hätte er sicher anders entschieden.

Was die Konsequenzen betrifft: Die beteiligt Schiris werden wohl eine kleine Pause bekommen. Kann mir vorstellen, dass sie die auch brauchen.


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