Sonntag, 10. Januar 2010

Druckabfall

Der Wesensgehalt einer Besetzung besteht darin, dass man einen Raum dauerhaft in Beschlag nimmt, um ihn unter anderem als Druckmittel für seine Forderungen zu verwenden.
Demnach ist die Besetzung der Uni Regensburg gestern faktisch beendet worden. Die (ehemaligen) Besetzer einigten sich mit der Hochschulleitung darauf, dass der H9 aufgeräumt und an die Uni zurückgegeben wird. Weiter steht der H2 nur noch zwischen 8 und 24 Uhr zur Verfügung – wird aber für „nicht verlegbare, große Vorlesungen oder Prüfungen“ freigegeben. Lediglich die Küche und der Infostand bleiben bestehen.

Laut den Protestierende, handelt es sich nicht um ein Ende der Besetzung. Daher konnte diesem „Kompromiss“ auch durch eine einfache Abstimmung zugestimmt werden. Wäre es nämlich ein Besetzungsende, müsste das Plenum an zwei aufeinanderfolgenden Werktagen mit einer ¾-Mehrheit zustimmen. Merke: Um sich juristische Spitzfindigkeiten zunutze zu machen, muss man kein Paragraphenreiter sein.
Bei so einem Verhandlungsgeschick ist ein gänzliches Ende jeder Besetzungsaktivitäten wohl sehr absehbar. Wenn es so weiter geht, treffen sich die Arbeitsgruppen in zwei Monaten in einem Pavillon neben der Baustelle zwischen FH und Sammelgebäude...

Den Kritikern dieses Kompromisses wird vorgeworfen, sich zu sehr an den H2 zu klammern. Es geht allerdings nicht gerade um diesen Hörsaal, sondern darum, überhaupt einen besetzten Ort zu haben. Ich glaube vielen ist es egal, ob sie im H1, H2 oder H25 sitzen. Wichtig ist, dass man Präsenz zeigt, auf sich aufmerksam macht, lästig ist – sprich: ein Druckmittel hat. Was interessiert es jetzt noch die Hochschulleitung, dass da Studenten protestieren? Wenn der H2 gebraucht wird, verweist man auf den Bedarf.
Und nicht zuletzt ist der zwischen Mitternacht und acht in der Früh zu. Sollte die Leitung also doch mal keine Lust mehr auf die „Besetzung light“ haben, hätte eine Räumungsfirma die ganze Nacht Zeit, etwaige Spuren zu beseitigen oder der Sicherheitsdienst sperrt in der Früh einfach mal nicht auf.

Ich würde jetzt nicht so weit gehen, zu behaupten, die Besetzer hätten sich blamiert. Aber sie haben zumindest deutlich Schwäche gezeigt und damit Respekt und Unterstützung verloren.

Ich behalte den „regensburg-besetzt.de“-Banner vorerst trotzdem noch im Blog.

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