Montag, 11. Januar 2010

Stimmenjagd vorbei

Kroatien hat einen neuen Staatspräsident. Ivo Josipović setzte sich in der gestrigen Stichwahl gegen Milan Bandić durch.
Der erste Wahlgang am 27.12.2009 beindruckte vor allem durch die niedrige Wahlbeteiligung der kroatischen Bevölkerung, von welchem nur etwa ein Drittel den Weg zur Wahlurne fand. Nach dieser Wahl konnte keiner der zwölf angetretenen Kandidaten die Mehrheit der abgegeben Stimmen auf sich vereinigen. So standen sich am gestrigen Sonntag der Sozialdemokrat Ivo Josipović (SDP) und der unabhängig antretende Kandidat Milan Bandić in der Stichwahl gegenüber.

Die Kandidaten könnten unterschiedlicher kaum sein.

Der Komponist und Juraprofessor (Strafprozessrecht und internationales Strafrecht) Josipović wirbt mit dem Slogan „PravDA“, was sinngemäß so viel wie „Ja zum Recht“ bedeutet (pravda = das Recht, da = ja) und hat sich den Kampf gegen Korruption und organisierte Kriminalität in Kroatien auf die Fahne geschrieben. In der Öffentlichkeit gibt er sich immer sachlich und seriös, wie man es von einem Musterpolitiker erwartet.
Milan Bandić hingegen fährt etwas mehr auf der Machoschiene und versucht durch Showeinlagen Aufmerksamkeit zu bekommen. Dazu hantiert er gerne mit einer Fernbedienung herum, um zu betonen, dass er „unabhängig“, also nicht ferngesteuert ist. Entsprechend lautete sein Wahlspruch auch „ćovjek, a ne stranka!“, "Der Mensch, nicht die Partei!". Auch ließ er sich gerne beim Frühsport in Szene setzen. Während seines Studiums arbeitete er auf Baustellen, was ihm unter Arbeitern besondere Sympathien einbringt. Zudem schlachtete er dies dadurch aus, dass er seinem Kontrahenten im „Fernsehduell“ vorwarf, noch nie richtig gearbeitet zu haben. Teilweise kam es einem fast vor, als müsse sich Josipović für seine höhere Bildung rechtfertigen.

Das Fernsehduell war überhaupt sehr interessant. Ähnlich wie bei uns, hatten die Kandidaten vorgegebene Sprechzeiten. Während Josipović seine Statements fast sekundengenau beendete, fiel Bandić dahingehend auf, dass er bei Fragen, auf welche er sich vorbereiten konnte, nicht innerhalb des Budgets blieb, bei offenen Fragen aber sehr unkreativ war und zuweilen kaum mehr als zehn Sekunden benötigte. In Kombination mit seiner Körpersprache und den ständigen persönlichen Angriffen gegen Josipović, wirkte sein Auftritt wenig souverän und eines künftigen Staatspräsidenten unwürdig.

Laut den letzten Hochrechnungen*, erhielt Josipović 60,29% der abgegebenen Stimmen, Bandić nur 39,71%. Die Wahlbeteiligung war mit 50,28% erneut sehr niedrig, lag aber zumindest über der des ersten Wahlganges.
Die magere Beteiligung zeigt die starke Politiverdrossenheit in der Bevölkerung, die wohl auf Korruption und die unglaubliche Misswirtschaft der letzten Jahre zurückzuführen ist. Nino Raspudić, Philosophieprofessor an der Uni Zagreb, fasste es so zusammen: „Es ist wie bei den Spielen der [kroatischen] Nationalmannschaft: wenn die Ergebnisse nicht passen, geht man nicht mehr hin.“ Bleibt also zu hoffen, dass Ivo Josipović seine Wahlversprechen einhält und die Menschen dadurch wieder mehr Vertrauen ihn ihre Politiker bekommen.

Quelle u.a.: http://www.hrt.hr/index.php?id=48&tx_ttnews[tt_news]=59142&tx_ttnews[backPid]=23&cHash=43f045347a

*Es fehlt nur noch ein Wahlkreis in Kroatien, dessen Ergebnisse wetterbedingt (wer weiß was da passiert sein soll...) erst heute erwartet werden, sowie 16 Wahlkreise außerhalb Kroatiens, die auf Grund der Zeitverschiebung Richtung Westen noch nicht ausgezählt sind.

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