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Montag, 29. August 2011

Zum Schmuckverbot auf dem Fußballplatz

Seit einigen Jahren (ich glaube seit mindestens 2007, wenn nicht noch länger) gilt in Bayern beim Fußball ein absolutes Schmuckverbot. Alles was Kette, Ohrring oder Piercing heißt, muss abgelegt werden, auch wenn es für den Gegner objektiv ungefährlich ist und den Spielbetrieb nicht beeinflusst.
Hintergrund war meines Wissens ein Fall, bei dem ein Spieler nach dem Torerfolg einen Zaun erkletterte und dann mit seinem Ehering so unglücklich hängen blieb, dass der Finger abgerissen wurde. Bis dato war nur solcher Schmuck verboten, der den ordnungsgemäßen Ablauf des Spieles störte oder für die Spieler gefährlich war, was auf einen normalen Ring nicht zutrifft.

Es dauerte eine Zeit, bis sich das Verbot durchsetzte. Einige Spieler hatten Probleme ihre Eheringe los zu werden, die sie nach eigenen Angaben seit der Hochzeit nicht mehr abgenommen hatten. Und wenn man die Anstrengungen sah, mit der sie versuchten, sich des Ringes mit Hilfe von Seifenwasser zu entledigen, könnte man ihnen direkt glauben.
Auch taten mir die zahlreichen Jugendspieler leid, die ihre Festivalbändchensammlung abschneiden mussten.
Aber mittlerweile hat sich die Regel so ziemlich durchgesetzt und nur ab und zu vergisst ein Spieler tatsächlich mal sein Kettchen, gibt es dann aber ohne Murren ab.

Interessant wird es nur, wenn eine Mannschaft mal einen personellen Engpass hat und "erfahrene" Spieler, die schon in Ruhestand waren, reaktiviert. Zum einen muss man denen dann erst erklären, warum es die Regel gibt. Zum anderen sind oft genau sie die Kandidaten für obige Eheringproblematik.

Letztens hatte ich einen Torwart, der mit Kette auflief. Nachdem ich ihn noch vor dem Anpfiff aufforderte, diese abzulegen, kam natürlich erst die Frage nach dem wieso, gepaart mit dem Argument, er würde doch nicht in den Zweikampf gehen, weswegen die Kette keinen stören würde. Aber nachdem ihm auch seine Mannschaftskameraden versicherten, dass mit dem Schmuckverbot würde schon stimmen, legte er das Schmuckstück ab.

Montag, 8. August 2011

Anfängerfehler in den Bundesliga

Der erste Bundesligaspieltag ist rum und schon gibt es den ersten Diskussionsstoff. Ich greife mir an dieser Stelle mal das das Tor zum 1:0 im Spiel Hannover 96 gegen TSG 1899 Hoffenheim heraus. Ab 1:45 ist der Freistoß zu sehen, durch den es erzielt wurde:



Torwart Tom Starke schimpfte laut weltfussball.de nach dem Spiel, es wäre ein Regelverstoß, wenn der Schiedsrichter den Ball bei einem Freistoß nur durch ein Handzeichen frei gäbe.
Damit hat er grundsätzlich recht. Wenn der Ball vom Schiedsrichter gesperrt wurde, um die Mauer zu stellen, muss er das Spiel danach zwingend durch Pfiff freigeben.
Nur hatte Schiri Thorsten Kinhöfer in dieser Situation den Ball gar nicht gesperrt - dementsprechend gab es auch nichts frei zu geben. Er fragte den späteren Torschützen Schlaudraff lediglich, ob dieser das Mauerstellen wolle, was er verneinte.
Starke passierte also ein typischer Anfängerfehler, den ich persönlich zum letzten Mal vor 4 Jahren auf einem Turnier von Freizeitmannschaften miterleben durfte.

Bei einem Freistoßpfiff, ist der Ball grundsätzlich frei, um eine schnelle Wiederaufnahme des Spieles zu ermöglichen, die gefoulte Mannschaft soll ja einen Vorteil durch den Freistoß haben. Der Schiedsrichter kann die schnelle Spielfortsetzung allerdings unterbinden, indem er den Ball sperrt, um beispielsweise einen verletzten Spieler behandeln zu lassen oder einen Spieler zu ermahnen/verwarnen.
Stehen Gegenspieler weniger als 9,15m von Ball entfernt, muss grundsätzlich der ausführende Spieler das Mauerstellen verlangen. Aus Praktikabilitätsgründen fragt der Schiri bei Freistößen kurz vor dem Tor auch nach, ob er die Mauer stellen soll. Erst dann wird der Ball gesperrt, was er laut sagt und idR auch durch ein Zeichen anzeigt. Bevor das nicht geschehen ist, sollte der Torwart auf alle Fälle den Ball im Blick behalten.
Was die Freistoßausführung betrifft, lief also alles regelkonform ab.

Sonntag, 3. Juli 2011

Also langweilig ist es ja nicht

Vor einer Stunde ging das Spiel Australien gegen Äquatorial-Guinea zu Ende. Es war sehr unterhaltsam. Allerdings weniger aus dem sportlichen Blickwinkel, sondern mehr wegen den Kuriositäten.

Das Krasseste vorneweg:
(Das Video wurde übrigens noch während des Spiels hochgeladen)


Ana Christina Bruna fing den Ball tatsächlich mit beiden Händen, worüber sie sich anscheinend selbst wunderte. Und dann blieb das ganze auch noch ungeahndet! (Btw hier nochmal informatorisch die Voraussetzungen für das strafbare Handspiel, Absicht war hier zweifelsfrei gegeben, lediglich die Frage, ob es unsportlich war, könnte problematisch sein, aber diese Frage stellt sich nur bzgl. einer Gelben Karte) Sehr bemerkenswert finde ich auch, dass die Kommentatorin Claudia Neumann erst in der Wiederholung das Handspiel als klar erkannte.

Dann war da noch das Tor zum 3:1 für Australien. Zwei Spielerinnen waren im Mittelfeld zusammengestoßen und eine Afrikanerin blieb liegen, woraufhin Äquatorial-Guinea aufhörte zu spielen. Die Australierinnen nutzten dies aus und schossen nach einem weiten Ball in den Strafraum das Tor.

Was mich auch verblüffte, war die unsportliche Energie, mit der Spielerinnen von Äquatorial-Guinea zuweilen in die Zweikämpfe gingen. Bei zwei Fouls war der Ball schon deutlich außer Spielweite, als sie noch zu grätschen bagannen und die Australierinnen unfair stoppten. Anderenfalls wäre die Spielerin weg gewesen.

Und zu guter Letzt noch die beiden eklatanten Abwehrfehler der Australierinnen, die zum 1:1 und zum 2:3 führten. Dabei wird einem in der C-Jugend schon eingebläut, dass man als letzter Abwehrspieler nicht in Zweikämpfe geht.

Das Spiel blieb so bis zur letzten Minute spannend. Wie gesagt, weniger aufgrund der spielerischen Leistung. Vielmehr wartete man immer darauf, was denn als nächstes passieren würde. Für den Frauenfußball finde ich das schade, andererseits werde ich mir deshalb auch die anderen Spiele ansehen.

[edit, 7.7.11]:
Das obige Video ist leider nicht mehr verfügbar, weil die FIFA ihre Urheberrechte verletzt sieht. mal sehen, wie lange das hier verfügbar sein wird:

Donnerstag, 25. November 2010

Man muss die Regeln kennen, um sie nutzen zu können...

Normalerweise stelle ich in unterschiedlichen Abständen einfache fußballerische Sachverhalte in epischer breite und viel Liebe zu Detail dar.
Das hätte ich in diesem Fall auch machen können. Es geht um die Spieler Ramos und Alonso von Real Madrid und deren Trainer Jose Mourinho. Die beiden Ersteren nutzten eine Regellücke, um einer Spielsperre zu entgehen.

Aber an dieser Stelle darf ich an Herrn Nebgen verweisen, der die Begebenheit schon sehr schön dargestellt hat.

Montag, 15. November 2010

Das Handspiel

Aus aktuellem Anlass mal wieder etwas Fußballkunde. Das Spiel Wolfsburg - Schalke am letzten Samstag endete 2:2, unter anderem wegen eines Tores von Klaas-Jan Huntelaar, dem ein Handspiel voran ging und deswegen unter Umständen nicht hätte gelten dürfen:


Dass Huntelaar den Ball mit der Hand berührte, ist unstrittig. Jedoch ist im Fußball, entgegen weitläufiger Meinung, nicht jedes Handspiel per se strafbar. Zu klären ist also ob in diesem Falle die Strafbarkeitsvoraussetzungen vorlagen.

Gemäß Regel 12 (Seite 80 unten)*, verursacht ein Spieler einen direkten Freistoß für die gegnerische Mannschaft, wenn er den Ball absichtlich mit der Hand spielt.
Laut Regeltext kommt es also darauf an, ob das Handspiel absichtlich erfolgte. Weiter unten (Seite 84) werden Anhaltspunkte genannt, die bei der Beurteilung, ob beim Spieler Absicht vorlag, zu berücksichtigen sind.
Zu beachten ist demnach die Handbewegung des Spielers und die Handhaltung. Geht die Hand aktiv zum Ball, ist dies als Indiz für Absicht zu werten. Wird die Hand jedoch in einer "natürlichen Haltung" angeschossen, liegt keine Absicht vor. Diese Bewertung erscheint mir bei Huntelaar höchstschwierig. Die Hand bewegt sich zwar in Richtung Ball, jedoch im Zuge einer natürlich Handbewegung, da er auf Grund seiner Geschwindigkeit die Balance halten muss.
Ein weiteres Parameter ist die Entfernung, die der Ball bis zur Hand zurücklegt. Je kürzer die Distanz, desto weniger kann von Absicht gesprochen werden. Huntelaar versuchte, den Ball mit dem Fuß anzunehmen, woraufhin ihm dieser an die Hand sprang. Somit spricht die Distanz gegen absichtliches Handspiel.

Vielleicht wäre aber grundsätzlich auf Freistoß zu entscheiden gewesen, da Huntelaar einen Vorteil durch das Handspiel hatte. Dies ist eine sehr verbreitete Meinung, die leider nicht aus den Köpfen der Fußballzuschauer zu bekommen ist. Teilweise wird sie sogar von Spielern und Trainern vertreten. Sie ist jedoch schlicht und ergreifend falsch. Auf einen Vorteil kommt es beim Handspiel nie an, sodass es im Extremfall sogar möglich wäre, ein Tor mit der Hand zu erzielen.

Schlussendlich kommt es also rein darauf an, ob Huntelaar den Ball absichtlich mit der Hand spielte oder nicht. Es liegt im Ermessensspielraum des Schiedsrichters, wie er dies im Rahmen der obigen Parameter bewertet. Wolfgang Stark sah keine Absicht. In Anbetracht des Geschehnissablaufes meines Erachtens durchaus vertretbar. Es ging sehr Schnell, die Hand Huntelaars ging nicht zweifelsfrei aktiv zum Ball, die Entfernung war sehr kurz.

Andererseits wäre die elegantere Lösung wohl gewesen, auf absichtliches Handspiel zu entscheiden. Dies wäre nach außen hin leichter nachvollziehbar gewesen.


*der SR auf dem Titelbild ist übrigens Wolfgang Stark; er leitete das fragliche Spiel

Freitag, 24. September 2010

Verloren im Weltweitnetz XVI - Zu früh gefreut

Mal wieder etwas aus der Fußallecke: Wir reisen ein wenig in den Süden. Ein Spiel um den marokkanischen Pokal. Es geht unentschieden aus, also "Schüsse von der Strafstoßmarke zur Spielentscheidung" (Regel 14) oder kurz: Elfern.

Sonntag, 8. August 2010

subjektiver TB im Fußball

Ich habe schon immer einige Probleme mit Berücksichtigung des Vorsatzes bei Fouls im Fußball. Im Regeltext heißt es in der Regel 12: Ein Spieler verursacht einen Freistoß für das gegnerische Team, wenn er Vergehen "nach Einschätzung des Schiedsrichters fahrlässig, rücksichtslos oder mit unverhältnismäßigem Körpereinsatz begeht".

Montag, 29. März 2010

Abseits von Gut und Böse - update

Ich will ja gar nicht angeben, aber...

Gerade habe ich bei indirekter-freistoss.de gelesen, dass auch Hellmut Krug im Tagesspiegel meine Meinung bestätigt. Zuvor kam das Gleiche schon von Eugen Strigel in der SZ.

Sonntag, 28. März 2010

Abseits von Gut und Böse

Die Sportschau kürte die gestrige Abseitsentscheidung von Schiedsrichter Lutz Wagner im Spiel Hertha BSC Berlin gegen Borussia Dortmund zum „Pfiff des Tages“:

Die Medien sind sich geschlossen einig, dass der Kopfball von Felipe Santana eine neue Spielsituation einleitet.
Ich bin mir da nicht von vornherein so sicher.
Dass Theofanis Gekas bei der Ballabgabe im Abseits steht, ist unstrittig. Es stellt sich also die Fragen, ob aus dem nicht strafbaren Abseits („passives Abseits“) strafbares („aktives“) wurde.
Zur allgemeinen Auffrischung, hier der Regeltext der Regel 11:
Ein Spieler befindet sich in einer [nicht automatisch strafbaren] Abseitsstellung, wenn er der gegnerischen Torlinie näher ist, als der Ball und der vorletzte Abwehrspieler.
Ein Spieler wird nur für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er nach Ansicht des Schiedsrichters zum Zeitpunkt, wenn der Ball einen Mitspieler berührt oder gespielt wird, aktiv am Spielgeschehen teilnimmt, indem er
  • ins Spiel eingreift
  • einen Gegner beeinflusst oder
  • aus seiner Position einen Vorteil zieht.
Wir wissen, dass eine Abseitsstellung von Gekas vorlag. Problematisch ist, ob er eine der drei Voraussetzungen erfüllt.

Weil er den Ball nicht direkt bekommt, scheidet die erste Möglichkeit schon mal aus.

Er könnte Santana beeinflusst haben. Die Regel nennt hier „behindern, täuschen oder ablenken“. Gekas steht doch einige Meter vom Abwehrspieler weg. Santana spielt auch sehr genau und gezielt. Außerdem kam noch ein weiterer Stürmer von hinten, sodass wohl Gekas nicht allein kausal für die Rückgabe war.

Aber er zieht einen Vorteil aus seiner Stellung. Wäre er vorher nicht im Abseits gestanden, wäre er später nicht an die Rückgabe von Santana herangekommen. Dem halten die Medien nun entgegen, Santana würde mit seinem Kopfball eine neue Spielsituation einleiten.
Gegen eine neue Situation sprechen zunächst zwei Dinge:
Erstens der zeitliche Zusammenhang. Es geht sehr schnell. Innerhalb weniger Sekunden zwischen zwei Situationen zu unterscheiden, halte ich für äußerst schwierig.
Außerdem erfährt der Ball keine signifikante Richtungsänderung. Hätte ihn Santana nicht gespielt, wäre er wohl auch so zu Gekas gelangt, welcher dann unzweifelhaft Abseits gewesen wäre.
Jedoch besagt die Regel eindeutig, dass ein Spieler nicht im Abseits steht, „wenn er den Ball direkt [sic!] von einem Gegenspieler zugespielt bekommt“. Und das ist vorliegend zweifelsohne gegeben. Santana wurde nicht in irgendeiner Form angeschossen, sonder spielte den Ball bewusst.
Somit ist von einer neuen Spielsituation auszugehen, wodurch Gekas nicht strafbar Abseits war.

Mit dieser Lösung erhebe ich keinen Anspruch auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit! Es bleibt abzuwarten, wie sich der DFB äußert.
[Edit: Eugen Strigel sieht's genauso]

Aus meiner Sicht lag hier also leider eine Fehlentscheidung vor. So bitter das für Hertha sein mag, bleibt auch zu bedenken, dass der Schiedsrichterassistent für die Überlegungen, die mich doch einige Zeit gekostet haben, nur wenige Sekunden, um nicht zu sagen Bruchteile, hatte. Und ganz ehrlich: Eine Zeit lang, war ich auch der Meinung, die Abseitsentscheidung wäre richtig gewesen. Im Ergebnis überzeugt mich die „neue Spielsituation“ auch immer noch nicht wirklich.

Montag, 22. März 2010

Und der Schiri ist doch kein Richter...

Juhe! Endlich wieder ein Wochenende mit Fußball hinter mir. Und dann gleich zwei Spiele. So sehr ich im November die Pause herbeisehnte, so viel Spaß hat’s mir diesmal gemacht.

Aber sogleich wird es wieder Zeit für Regelkunde:
Die Gastmannschaft hatte den Spielerpass des Ersatztorwartes vergessen. Für die Fußballlaien: Ohne diesen darf er nicht am Spiel teilnehmen, sprich eingewechselt werden.
Vor dem Spiel kommt der Trainer auf uns* zu, teilt uns dies mit und endet mit der Frage: „Wenn wir den trotzdem einwechseln, müssen wir den Pass dem Sportgericht nachreichen und sonst nix, oder?“
Unsere Standardantwort beim Thema Sportgericht, die eigentlich von jedem Schiri kommen muss: „Das hängt vom Gericht ab und nicht von uns. Wir schreiben nur eine Meldung darüber, falls der Pass nicht bis Spielende vorgelegt werden kann.“
Der Trainer hakt nach. Letztes Mal sei das doch auch so gewesen. Wir müssten das doch wissen.
Genau hier machen viele Schiris einen Fehler: Sobald ich dem Trainer recht gebe („Ja wenn das da so war, dann dieses Mal sicher auch“), wird er mich darauf festnageln. Sollte das Sportgericht nämlich anders entscheiden, wird er sich auf mich berufen. Und gerade im Wiederholungsfall bietet sich eine härtere Strafe ja an.
In dieser Situation ist der Schiri eben weniger Richter, als vielmehr Polizist (bah… dieser Vergleich passt mir irgendwie gar nicht…), der die „Straftat“ weiterleitet.

Der Ersatztorwart wurde übrigens nicht gebraucht. Wir haben ihn einfach aus dem Spielbericht gestrichen. So waren alle fein raus. Insbesondere sparten wir uns das Meldung Schreiben

*das ist kein Pluralis Majestatis, sondern meint das Schiedsrichtergespann; beim Durchlesen kam's mir bisschen komisch vor ;)

Sonntag, 7. März 2010

So will ich mal meine Entscheidung im Spiel begründen

Nach 4 Monaten hätte ich gestern wieder mein erstes Spiel zu pfeifen gehabt. Dem machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Bei 20cm Neuschnee war an Fußball nicht zu denken.
In anderen Gefilden spielte der Wind nicht mit. Also eigentlich spielte er doch mit:

via Fritten, Fußball & Bier

„Torschütze“ in obigem Video ist das Tief „Xynthia“ von letzter Woche. Nach dem Abstoß (in der Videoüberschrift fälschlicherweise „Abschlag“ genannt) fliegt der Ball auf Grund des Windes unberührt ins eigene Tor. Der Schiedsrichter gibt Tor und Anstoß, eine falsche Entscheidung.

Zu klären ist also, was die richtige Entscheidung gewesen wäre.

In Frage kam zunächst Tor und Anstoß.
Ein Tor ist gem. Regel 10 gültig erzielt, wenn der Ball im Spiel ist und „die Torlinie zwischen den Pfosten und unterhalb der Querlatte in vollem Umfang überquert“. Letzteres ist offensichtlich gegeben.
Fraglich ist, ob der Ball im Spiel war. Laut Regel 16 ist der Ball nach dem Abstoß im Spiel, wenn er „direkt aus dem Strafraum hinaus gespielt“ wurde. Der ausführende Spieler spielt den Ball mit dem Fuß direkt aus dem Strafraum. Also ist der Ball im Spiel.
Somit wäre das Tor zunächst gültig.
Der Gültigkeit könnte aber der Grundsatz „aus einem Vorteil kann direkt kein Nachteil entstehen“ widersprechen. Der Abstoß ist ein Vorteil für die ausführende Mannschaft. Das Tor ist ein Nachteil. Es gibt keine weitere Berührung zwischen der Ausführung und dem Tor. Mithin entsteht der Nachteil direkt aus dem Vorteil. Also ist das Tor ungültig.

Weiter könnte Wiederholung des Abstoßes die richtige Entscheidung sein. Diese ist in der Regel 16 für die Fälle vorgesehen, in denen der Ball nicht korrekt ins Spiel gebracht wird, also nicht direkt aus dem Strafraum heraus gespielt wird. Wie oben dargestellt, wird der Ball aber korrekt ins Spiel gebracht. Somit scheidet die Wiederholung des Abstoßes aus.

Schließlich könnte Eckball in Frage kommen. Auf Eckball wird gem. Regel 17 entschieden, wenn der Ball die Torauslinie am Boden oder in der Luft in vollem Umfang überschreitet, "ohne dass ein dabei ein Tor gemäß Regel 10 erzielt wurde" und zuletzt von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft berührt wurde. Der Ball hat vorliegend die Torlinie überquert, wobei das Tor nicht gültig ist. Auch wurde der Ball zuletzt von einem Verteidiger berührt. Also ist Eckball die richtige Spielfortsetzung.

PS: Ich steh auch voll auf den Gutachtenstil…