Hier habe ich mich ja neulich über das Auftreten eines Gutachters aufgeregt. Heute hab ich erlebt, dass es auch anders gehen kann.
Der heutige Gutachter war wegen zwei Verhandlungen da. Die erste dauerte keine 20 Minuten und war eher unspäktakulär.
Die zweite war schon interessanter. Die Beklagte hatte das geparkte Motorrad des Klägers umgefahren. Streitig war, ob die Schäden auf der rechten Seite des Motorrades von diesem Unfall herrührten oder ob der Kläger der Beklagten Schäden von einem anderen Unfall unterschieben wollte. Interessant an der Sache war, dass der Kläger behauptete, das Motorrad sei auf die rechte Seite gefallen, die Beklagte hingegen, es sei auf der linken Seite gelegen.
Der Sachverständige sollte zum einen klären, wie das Motorrad gefallen war und zum anderen, ob die Schäden von eben diesem Unfall stammen.
Erst erklärte er die Schäden am Motorrad und auch, dass man solche gerade bei so einem Sturz auf eben solchem Untergrund, wie er auf dem Parkplatz vorlag, erwarten würde.
Weiter erklärte er, dass auf Grund der Skizzen, die vorlagen, es nur so sein könne, dass das Motorrad nach Rechts fiel, da es links angefahren wurde. Naja, das hätte ich als Laie auch zusammenbekommen. Jedoch widersprach ihm die Beklagte wehement.
Nun nahm er sich viel Zeit und stellte der Beklagten sehr viele, meiner Meinung nach sehr gute Fragen, um dahinter zu kommen, wie das Motorrad denn lag (was meiner Ansicht nach eigentlich Aufgabe der Anwälte gewesen wäre, aber seis drum). Er räumte zwar ein, dass es theoretisch möglich wäre, dass das Motorrad leicht angestoßen wurde, etwas kippte, ohne jedoch ganz umzufallen, dabei der Ständer hochklappte und daher das Motorrad nach Links fiel. An dieser Stelle huschte ein Lächeln über das Gesicht der Beklagten. Allerdings, so fuhr der Gutachter fort, hätte sich das Auto nunmehr in Sekundenschnelle aus der Fallzone begeben haben müssen, da ja an diesem keine Spuren zu sehen seien. Zudem ist es extrem unwahrscheinlich, dass das Motorrad auf der linken Seite keine Schäden davongetragen hätte. Im Gegenzug aber auf der rechten Seite genau die zu erwartenden Schäden vorliegen.
Es wurden zudem Skizzen gemacht, das Geschehen mehrmals mit Spielzeugautos nachgestellt, das Protokoll genauestens aufgenommen und mehrmals wieder vorgespielt. Schließlich dauerte seine Erklärung über eine Stunde.
Für diese Engelsgeduld bewundere ich den Mann. Ich an seiner Stelle wäre ob der mangelnden Auffassungsgabe der Beklagten, schon nach 20 Minuten durchgedreht.
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