Diese Herrenrunden haben es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Detail im Spiel verbal zu zerpflücken, zu analysieren und zu kommentieren. Und dabei mit Kritik nicht zu sparen. Im Gegenteil. Sowohl die Spieler der eigenen, als auch die der gegnerischen Mannschaft, müssen sich das anhören. Ganz zu schweigen vom Schiedsrichtergespann.
Highlights meiner bis jetzigen Karriere:
Das Spiel läuft nicht mal zwei Minuten, da kommt schon der erste Ruf:
"Der Schiri ist doch ein Blinder!"Und das vor dem ersten Pfiff...
Anderes Beispiel: In meiner Nähe hatten drei Herren auf einer Bank Platz genommen. Leicht versetzt hinter dem Tor. In der ersten Halbzeit hatten sie ihren eigenen Torhüter vor sich, der Gegner griff also an. Folglich musste jeder Angriff Abseits gewesen sein. Was die drei selbstverständlich aus ihrer Postition besser beurteien konnten als ich, der ich ja nur direkt auf Höhe des vorletzten Abwehrspielers stand. Das haben die mir auch gesagt. Zweite Halbzeit natürlich genau gegenteiliges Spiel. Ich fands lustig.
Eines schönen Tages ergab es sich, dass ich einen Strafstoß für die Heimmannschaft geben musste. Eine Karte ließ ich allerdings, in Einvernehmen mit meinem Assistenten, stecken. Das Foul war nicht so schlimm, der Spieler hätte sowieso nicht mehr schießen können und der Verteidiger hatte auch noch den rutschigen Rasen unterschätzt. Elfer war also Strafe genug. Als wir nach der Pause wieder aus der Kabine kamen, sprach mich ein netter Herr** von der Seite an, ob ich denn bei dem Strafstoß nicht Gelb hätte geben müssen. Ich dachte mir nichts böses und antwortete schlicht mit: "Nö, des war ja nicht so schlimm." Hier verdunkelten sich seine Gesichtszüge und er fühlte sich wohl berufen, mich zu belehren: "Ein strafstoßwürdiges Vergehen zieht immer eine Verwarnung nach sich!"*** Das ganze in einem Tonfall, als würde er Schillers "Glocke" rezitieren. Da war ich kurzzeitig schon bisschen sprachlos.
Das Interessante an diesen Herrenrunden ist ja diese unglaubliche Selbstsicherheit, die an den Tag gelegt wird. Man weiß alles, kann alles und vor allem: man sieht auch alles immer besser, als der Schiri der acht Meter daneben steht. Halbes Zweidrittelwissen in Kombination mit drei Bier, acht Dioptrien und einer ausgeprägten Beratungsresistenz. Auch habe ich festgestellt, dass sie sehr nachtragend sein können. Manchmal kann man hinterher gar nicht sachlich über das Spiel reden. Wobei ich keinesfalls behaupten will, dass das die Regel ist: In den allermeisten Fällen ist nach dem Schlusspfiff das Spiel tatsächlich vorbei und alle sind wieder nett zu einander.
Aber mit Sicherheit wird mir das noch einigen Content liefern...
*da diese sowieso keine Ahnung haben
**wohl der Sprecher des hiesigen Ältestenrates
***btw: das stimmt natürlich nicht
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