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Dienstag, 27. Oktober 2009

Das dicke Fell - sollte bei Schiris nie aus der Mode kommen

Dass man sich als Schiri während eines Spieles einiges anhören darf, ist kein Geheimnis. Schlimm genug ist ja, dass wir das gewohnt sind. Bis zu einem gewissen Grad zumindest. "Emotionen gehören dazu!" wird dann immer gesagt. Die Spieler haben oft genauso darunter zu leiden, wie ich. In der Regel sind die Spieler vernünftiger als die Außenstehenden und lassen mit sich reden, sodass man das Spiel normal über die Bühne bringt. Oft unterhalte ich mich mit ihnen sogar über die Zuschauer und was die so rein rufen.

Allerdings gibt es auch Ausnahmespiele, in denen es immer wieder Zuschauern gelingt, mich zum Staunen zum bringen. Beispiel, das gar nicht so lange zurück liegt:

Sonntag, 18. Oktober 2009

Kein Ortsschild, dafür zwei Fußballvereine...

Heute war ich zu einem Austauschspiel im Nachbarlandkreis eingeteilt. Von der Heimmannschaft hatte ich noch nie etwas gehört, ok erst mal nicht so schlimm. Aber dann das: Gastmannschaft ist das gleiche Dorf, nur anderer Vereinsname. Na toll. Also Google Earth angeschmissen: Den Ort und den Fußballplatz fand ich gleich, aber nicht zu glauben, dass in so wenig Häusern mehr als 22 Menschen Platz haben.
Heute machte ich mich dann auf den Weg: über eine Stunde Anfahrt.
Dort angekommen musste ich erst mal feststellen, dass der Ort nicht über ein gelbes, sondern nur über ein grünes Ortsschild verfügt, toll. Den Platz hab ich jedenfalls gleich gefunden und die Leute waren echt freundlich. Ich unterhielt mich während der obligatorischen Platzkontrolle mit dem Spartenleiter (der lustigerweise gerade im Tor der Reserve stand). Von ihm erfuhr ich, dass es eine alte Rivalität zwischen den Vereinen gibt (o welch Wunder...). Diese wäre aber größtenteils Vergangenheit. Ich machte mich auf das schlimmste gefasst.
Die erste Halbzeit verlief ohne Zwischenfälle, die "Gastmannschaft" führte zur Pause. Erst in der Zweiten gings bisschen rund. Die "Heimmannschaft" glich aus, ging in Führung, verschoss einen Strafstoß. Schließlich wieder Ausgleich durch Strafstoß auf der anderen Seite. Jetzt wars richtig spaßig. Ein paar Gelbe musste ich verteilen und zwei Spieler bisschen rund machen*. Kurz vor Schluss erzielte die "Heimmannschaft" doch noch den Siegtreffer durch einen etwas glücklichen, aber schönen Distanzschuss. Einzige Problemherde waren im endeffekt meine beiden Vereinslinienrichter, die sich den ein oder anderen Fehler leisteten. Und natürlich der Ältestenrat. Der war zwar anfangs etwas zurückhaltend, ließ sich jedoch in den letztem 25 Minuten zu so geistreichen Kommentaren hinreißen, wie "Immer der Gleiche!!", bei einem Spieler der gerade eingewechselt wurde. Und wenns nach dem Rat ginge, hätte ich ungefähr 17 Gelbe Karten mehr gebraucht.
Die Spieler waren nach dem Schlusspfiff alle mit mir zufrieden, was ja wirklich nicht oft vorkommt und ich konnte unbehelligt duschen gehen, mir hinterher noch eine Halbe einen Spezi gönnen und dann gemütlich Heim fahren.

*was mir im Nachhinein etwas leid tut, weil ich den einen echt böse angebrüllt hab, aber er wollt einfach gehen, bevor meine Ansprache zu Ende war

Montag, 12. Oktober 2009

Ältestenrat

So, wieder mal ein Fußballwochenende hinter mir. Samstag an der Linie bei einem Kollegen, Sonntag selbst als Chef auf dem Platz. An beiden Tagen ist mir ein typisches Fußballphänomen wieder sehr stark aufgefallen: Der Ältestenrat. Jeder Verein hat mindestens einen. Bestehend aus drei bis sechs älteren Herren, vornehmlich mit Sonntagnachmittags-Halben ausgerüstet, positioniert etwas Abseits der normalen* Zuschauer.
Diese Herrenrunden haben es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Detail im Spiel verbal zu zerpflücken, zu analysieren und zu kommentieren. Und dabei mit Kritik nicht zu sparen. Im Gegenteil. Sowohl die Spieler der eigenen, als auch die der gegnerischen Mannschaft, müssen sich das anhören. Ganz zu schweigen vom Schiedsrichtergespann.

Highlights meiner bis jetzigen Karriere:
Das Spiel läuft nicht mal zwei Minuten, da kommt schon der erste Ruf:
"Der Schiri ist doch ein Blinder!"
Und das vor dem ersten Pfiff...

Anderes Beispiel: In meiner Nähe hatten drei Herren auf einer Bank Platz genommen. Leicht versetzt hinter dem Tor. In der ersten Halbzeit hatten sie ihren eigenen Torhüter vor sich, der Gegner griff also an. Folglich musste jeder Angriff Abseits gewesen sein. Was die drei selbstverständlich aus ihrer Postition besser beurteien konnten als ich, der ich ja nur direkt auf Höhe des vorletzten Abwehrspielers stand. Das haben die mir auch gesagt. Zweite Halbzeit natürlich genau gegenteiliges Spiel. Ich fands lustig.

Eines schönen Tages ergab es sich, dass ich einen Strafstoß für die Heimmannschaft geben musste. Eine Karte ließ ich allerdings, in Einvernehmen mit meinem Assistenten, stecken. Das Foul war nicht so schlimm, der Spieler hätte sowieso nicht mehr schießen können und der Verteidiger hatte auch noch den rutschigen Rasen unterschätzt. Elfer war also Strafe genug. Als wir nach der Pause wieder aus der Kabine kamen, sprach mich ein netter Herr** von der Seite an, ob ich denn bei dem Strafstoß nicht Gelb hätte geben müssen. Ich dachte mir nichts böses und antwortete schlicht mit: "Nö, des war ja nicht so schlimm." Hier verdunkelten sich seine Gesichtszüge und er fühlte sich wohl berufen, mich zu belehren: "Ein strafstoßwürdiges Vergehen zieht immer eine Verwarnung nach sich!"*** Das ganze in einem Tonfall, als würde er Schillers "Glocke" rezitieren. Da war ich kurzzeitig schon bisschen sprachlos.

Das Interessante an diesen Herrenrunden ist ja diese unglaubliche Selbstsicherheit, die an den Tag gelegt wird. Man weiß alles, kann alles und vor allem: man sieht auch alles immer besser, als der Schiri der acht Meter daneben steht. Halbes Zweidrittelwissen in Kombination mit drei Bier, acht Dioptrien und einer ausgeprägten Beratungsresistenz. Auch habe ich festgestellt, dass sie sehr nachtragend sein können. Manchmal kann man hinterher gar nicht sachlich über das Spiel reden. Wobei ich keinesfalls behaupten will, dass das die Regel ist: In den allermeisten Fällen ist nach dem Schlusspfiff das Spiel tatsächlich vorbei und alle sind wieder nett zu einander.

Aber mit Sicherheit wird mir das noch einigen Content liefern...

*da diese sowieso keine Ahnung haben
**wohl der Sprecher des hiesigen Ältestenrates
***btw: das stimmt natürlich nicht