Mittwoch, 10. März 2010

Romantik im Recht IV - Römer mit Weitsicht

Die Römer waren juristisch so weit, dass deren Einflüsse noch in unserem Recht zu spüren sind. Einige Rechtsansichten sind heute freilich überholt, besonders im Familienrecht.
Ein Beispiel:
Viele treffen im besten Alter von 40 Jahren ihre große Liebe, woraufhin sich die Frage stellt, wohin mit meinem Ehegatten?
Heutzutage hat Ehebruch keine strafrechtlichen Konsequenzen mehr. Das sah der Römer vor 2000 Jahren noch anders. Kam die Liaison auf, kostete es den Mann die Hälfte seines Vermögens, die Frau ein Drittel und die Hälfte ihrer Mitgift.
Damit war es aber noch nicht erledigt. Dazu kam für beide „leichte Verbannung“, wobei diese eine Besonderheit aufwies: Es war nämlich
„darauf zu achten, dass die beiden nicht an den selben Ort ins Exil geschickt werden.“*
Diese Weitsicht ist wohl einer der Gründe für den herausragenden juristischen Erfolg des römischen Rechts.

*Liebs, Detlef, Vor den Richtern Roms: Berühmte Prozesse der Antike, Verlag C.H. Beck, 1. Auflage, München 2007, S.69.

Sonntag, 7. März 2010

So will ich mal meine Entscheidung im Spiel begründen

Nach 4 Monaten hätte ich gestern wieder mein erstes Spiel zu pfeifen gehabt. Dem machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Bei 20cm Neuschnee war an Fußball nicht zu denken.
In anderen Gefilden spielte der Wind nicht mit. Also eigentlich spielte er doch mit:

via Fritten, Fußball & Bier

„Torschütze“ in obigem Video ist das Tief „Xynthia“ von letzter Woche. Nach dem Abstoß (in der Videoüberschrift fälschlicherweise „Abschlag“ genannt) fliegt der Ball auf Grund des Windes unberührt ins eigene Tor. Der Schiedsrichter gibt Tor und Anstoß, eine falsche Entscheidung.

Zu klären ist also, was die richtige Entscheidung gewesen wäre.

In Frage kam zunächst Tor und Anstoß.
Ein Tor ist gem. Regel 10 gültig erzielt, wenn der Ball im Spiel ist und „die Torlinie zwischen den Pfosten und unterhalb der Querlatte in vollem Umfang überquert“. Letzteres ist offensichtlich gegeben.
Fraglich ist, ob der Ball im Spiel war. Laut Regel 16 ist der Ball nach dem Abstoß im Spiel, wenn er „direkt aus dem Strafraum hinaus gespielt“ wurde. Der ausführende Spieler spielt den Ball mit dem Fuß direkt aus dem Strafraum. Also ist der Ball im Spiel.
Somit wäre das Tor zunächst gültig.
Der Gültigkeit könnte aber der Grundsatz „aus einem Vorteil kann direkt kein Nachteil entstehen“ widersprechen. Der Abstoß ist ein Vorteil für die ausführende Mannschaft. Das Tor ist ein Nachteil. Es gibt keine weitere Berührung zwischen der Ausführung und dem Tor. Mithin entsteht der Nachteil direkt aus dem Vorteil. Also ist das Tor ungültig.

Weiter könnte Wiederholung des Abstoßes die richtige Entscheidung sein. Diese ist in der Regel 16 für die Fälle vorgesehen, in denen der Ball nicht korrekt ins Spiel gebracht wird, also nicht direkt aus dem Strafraum heraus gespielt wird. Wie oben dargestellt, wird der Ball aber korrekt ins Spiel gebracht. Somit scheidet die Wiederholung des Abstoßes aus.

Schließlich könnte Eckball in Frage kommen. Auf Eckball wird gem. Regel 17 entschieden, wenn der Ball die Torauslinie am Boden oder in der Luft in vollem Umfang überschreitet, "ohne dass ein dabei ein Tor gemäß Regel 10 erzielt wurde" und zuletzt von einem Spieler der verteidigenden Mannschaft berührt wurde. Der Ball hat vorliegend die Torlinie überquert, wobei das Tor nicht gültig ist. Auch wurde der Ball zuletzt von einem Verteidiger berührt. Also ist Eckball die richtige Spielfortsetzung.

PS: Ich steh auch voll auf den Gutachtenstil…

Personelle Konsequenzen

Immer schlechtere Bildung wird immer teurer. Bund, Länder und Gemeinden sind haushoch verschuldet. Der Außenminister provoziert soziale Unruhen. Die Bischofskonferenz beschließt, Geistliche, die Schutzbefohlene sexuell Missbrauchen, nicht anzuzeigen.

Und wer tritt zurück? Michael Lerchenberg. Nein, er ist kein Politiker. Kein Manager. Hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun. Eigentlich hat er keinen politischen Einfluss. Außer, dass er heuer zum zweiten und letzten Mal den Bruder Barnabas auf dem Nockherberg gab.
Laut PNP ist ihm „der politische und öffentliche Druck so groß geworden, dass eine Rückkehr auf den Nockherberg unmöglich erscheine“.

Auslöser waren folgende Zeilen:
„Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er [Guido Westerwelle] in den leeren verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge. Drumherum ein Stacheldraht – haben wir schon mal gehabt! Dann gibt’s jeden Tag eine Wassersuppe und eine Kante Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt es von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover. Und über dem Eingang steht, bewacht von neoliberalen Ichlingen im Gelbhemd, in eisernen Letter ‚Leistung muss sich wieder lohnen!‘.“
der fragliche Teil beginnt bei 3:40

Beim darauf folgenden Stammtisch, waren diese Zeilen kein Thema.
Erst am nächsten Tag meldet sich Dr. Guido Westerwelle zu Wort. Er fühlt sich beleidigt. In die Nähe eines KZ-Betreibers gerückt.
Ausgerechnet er. Der momentan amtierende, aber leider ungekrönte König des Populismus der Provokation des "das-muss-man-doch-sagen-dürfen". Er kündigte einen Boykott des Starkbieranstiches im nächsten Jahr an und schrieb der Paulaner-Brauerei: „Für die Zukunft bitte ich, von Einladungen an meine Person abzusehen.“ Dieses Jahr war er übrigens auch nicht da, ich weiß nicht ob er nächstes Jahr vermisst wird.
Der Zentralrat der Juden ist übrigens auch empört.

Ich will jetzt keine Diskussion darüber anstoßen, ob man Witze über Konzentrationslager machen darf oder nicht.

Ich finde es aber bedauernswert, dass ein sehr guter Kabarettist wegen so etwas seinen Hut nimmt (nehmen muss?). Gerade auf dem Nockherberg, dem vielleicht letzten Zufluchtsort der Bissigkeit und Provokation. Dadurch gerät die ganze Veranstaltung in Schieflage.
Wer soll denn Nachfolger von Lerchenberg werden? Ich sehe da weniger ein Problem bei den Fähigkeiten der bayerischen Kabarettisten, es gibt sicher andere Kandidaten, die den Bruder Barnabas mindestens genauso gut geben. Doch wenn man von Haus aus mit der Angst leben muss, auf Grund eines Politikers, der sich beleidigt fühlt, rausgeworfen zu werden, wo ist dann die Motivation, überhaupt eine Rolle, die gerade das Ärgern der Politiker (bayerisch: „derblecken“) verlangt, anzutreten?

Folgendes sagte der Roider Jackl übrigens in einer Fastenpredigt auf dem Nockherberg in den 50ern über Franz-Josef Strauß (sinngemäß, den genauen Wortlaut kenne ich nicht):
„Der defiliert immer weiter auseinand,
da passt ihm bald dem Göring sein Gwand!“
Ich bin gespannt auf die Fastenpredigt 2011.

Samstag, 6. März 2010

Verloren im Weltweitnetz IX - Endlich was Konstruktives

Missbrauchsskandale erschüttern momentan Deutschland. Die Aufklärung der Fälle geht nur schleppend voran. Viele sind verjährt. Der DFB veranstaltet eine peinliche Schlammschlacht.

Da ist es gut, dass sich endlich jemand Gedanken gemacht hat und konstruktiv tätig wird. Hier gehts zur Aktion "Pack meinen Kumpel an", die von Harald Schmidt, in Zusammenarbeit mit dem DFB und der katholischen Kirche, ins Leben gerufen wurde.

Dienstag, 2. März 2010

Seminarareit - Tag 6 1/2: In der Kürze liegt die Würze...

Ich steh ja auch voll auf Abkürzungen. Die machen einem das Leben so viel leichter und die Seminar-/Haus-/Studienarbeit so viel kürzer. Neben der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) gilt auch Jura (EuRHiÜbkVtrNLD) als Schlaraffenland für Abkürzungsfetischisten.

Blöd wird’s nur, wenn auf einmal eine Abkürzung Doppeldeutig wird:
Jeder denkt bei „SZ“ an die Süddeutsche Zeitung. Jetzt konnte ich mir allerdings nicht vorstellen, dass Gerhard Wacke 1977 einen Artikel über Arglist im Römischen Recht in der Süddeutschen veröffentlichte. Und auch im normalen Uni-Betrieb war mir die Abkürzung „SZ“ noch nicht untergekommen. Der „Regensburger Katalog“ spuckte ebenfalls keine Suchergebnisse für SZ aus.
Nach ein bisschen googlen fand ich wenigstens heraus, dass es auch „SZ (rom. Abt.)“ gibt. Und damit fand ich dann heraus, dass es eine „Savigny-Stiftung“ gibt. Die gibt eine Zeitschrift heraus. Die „Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte“, kurz „SZ“. Die wiederum kennt sogar der Regensburger Katalog. Yeah. Halbe Stunde „beim Deife“, aber ich bin einen (klitzekleinen) Schritt weiter.

Montag, 1. März 2010

Es rührt sich wieder was

Nachdem ich fast ein bisschen enttäuscht über den Verlauf der Besetzung der Uni Regensburg war, kommt seit heute wieder Schwung in die Sache. Seit Nachmittag ist das Verwaltungsgebäude besetzt. Damit reagieren die Besetzer auf die andauernde Gesprächsverweigerung der Hochschulleitung.

hier gibts weiter Infos, eine Twitterwall , sowie Fotos von der Aktion
außerdem auch noch auf Regensburg Digital

hemmer-Time!

Aus gegebenem Anlass folgendes Video:


Und jetzt würde ich den geneigten Leser bitten, sich ein Wortspiel aus den Wörtern „Rapper“, „MC Hammer“, „Juristisches Repetitorium“ und „hemmer“ zu denken. Es wär‘ mir peinlich selbst eins zu machen (hemmer-Time muss reichen...).

Aja, wem es nicht aufgefallen ist: Seit heute bin ich quasi in der Examensvorbereitung. Vielleicht noch ein wenig früh, aber schaden wird’s mir sicher nicht.