Im Zuge der Reihe "Mikrokosmos Jurafakultät", möchte ich heute eine besondere Art des Jurastudenten vorstellen: Die Drecksau.
Kommt man mit Studenten anderer Fächer auf das Thema Hausarbeit zu sprechen, heißt es relativ bald "Boah, ich hab' gehört das muss bei euch voll schlimm sein, mit Bücher verstecken und so."
In der Tat blieb ich bislang immer ruhig und antwortete in der Richtung, das stimme schon, aber so schlimm wäre es nicht, man wisse sich schon zu helfen. Dies entsprach bis zuletzt auch der Wahrheit.
Nunja, bis ich mit meiner Studienarbeit begann. Da ich ein rechtshistorisches Thema behandle, ist das Literaturangebot relativ überschaubar. Zumindest sind die Bücher nicht doppelt, dreifach oder noch öfter, wie beispielsweise im Zivilrecht die Regel, verfügbar.
So begab es sich, dass ich am zweiten Tag meiner Recherche auf ein sehr gutes Buch stieß, es an mich nahm, las und wieder an den richtigen Regalplatz zurückstellte, um es am nächsten Tag erneut zu holen. Seitdem wart es nicht mehr gesehen.
Einer meiner Kommilitonen muss das Buch wohl dringender brauchen als ich, jedenfalls ist es schlicht und ergreifen weg. Auch die netten Bibliothekare konnten mir nicht weiterhelfen.
Ich kann mir nicht erklären, aus welcher Motivation der fragliche Mitstudent handelt. Falsches Konkurrenzverständnis? Angst vor anderen, die es vor ihm verstecken könnten? Glaubt er, seine Note wird besser, wenn meine schlechter ist? Das wäre einmal eine eigene Studienarbeit wert.
Sollte ich jemals einen dabei erwischen, wie er ein Buch versteckt, Zeilen schwärzt, Seiten herausreißt usw. könnte ich mir vorstellen, das "Silentium"-Schild in der Bibliothek kurzzeitig zu ignorieren.
Es trifft sich auch nicht schlecht, dass ich mich gerade in das Thema "Haberfeldtreiben" eingelesen habe, so bayerische Traditionen müssen ja auch gepflegt werden...
Nachdem das Buch nach einwöchiger Wartezeit nicht wieder aufgetaucht ist und sich auch keiner den Verbleib erklären kann, habe ich es mir gekauft.
bei einem rechtshistorisches Thema brauch man eh keine bücjer
AntwortenLöschenEinfach weiter zurück gehen. Wenn man sich mit Dingen wie Totem und Tabu auseinandersetzt, genügen auch diese schönen Reliefplatten, die Napoleon bei seinem Ägyptenurlaub eingesammlt hat.
AntwortenLöschenAber ich bezweilfe, dass Rechtsgeschichte Spaß macht, wenn man nicht gerade Soziologe ist. Und als Rechtsanwalt bin ich mit solchen Fragen auch noch nie behelligt worden. Lohnt das?
Nicht feige:christian-franz@web.de
Kenne das nur zu gut!! In Halle (Saale) nicht wirklich anders.
AntwortenLöschen--> und nur so am Rande: Ich schreibe auch Rechtsgeschichte und es macht Spaß ;)
lg, Sophie
und ich war live und voller befriedigung dabei als ein solcher drecksau-student erwischt wurde...wie ich hörte, reagierte die uni münchen folgerichtig mit einer "freundlichen"verabschiedung" aus der uni
AntwortenLöschenIch hatte zu Studienzeiten mal eine Kollegin verpetzt, die etliche Bücher der Bibliothek beim Lesen mit Textmarker "verschönert" hatte. Das Ergebnis war, dass der wissenschaftliche Leiter der Bibliothek, ein gefürchteter Strafrechts-Professor, mich dafür über den grünen Klee lobte und mir ein neues Exemplar seines Lehrbuchs schenkte. Er meinte, dass er nicht laut aussprechen dürfe was für enorme Kosten durch Bücherverstecker und -markierer verursacht werden.
AntwortenLöschenBuch? Bücher? Für was muss sich ein (angehender)Jurist das überhaupt noch antun? Die Ri lesen doch auch keines.
AntwortenLöschenVersteckte Bücher kenne ich auch aus meiner Studienzeit. Besonders ärgerlich war, wenn genau diese Bücher auch bei benachbarten Unis (auch ohne juristische Fakultät) nicht auffindbar waren.
AntwortenLöschenEntweder hat sich der eine Verstecker immer besonders viel Mühe gemacht oder es gab eine ganze Sippe...
Das eigentlich Schlimme: Die versteckten Bücher kann man sich ja auch nicht mehr über die Fernleihe bestellen, da ja ein Exemplar "vor Ort im Bestand verfügbar" ist ...
AntwortenLöschenNeben den verstellten Büchern kenne ich auch noch die herausgerissenen Zeitschriftenartikel (wozu anzumerken ist, dass der Kopierer nicht fern ist, also liegt auch hier der Verdacht degenerierten Sozialverständnisses nahe). Ist jetzt nicht mehr so schlimm (bzgl. Auftreten und "Impact"), da es ja mittlerweile die Online-Archive gibt...
AntwortenLöschenWenn diese Situation zu einem catch-22 bei der Fernleihe führt, würd' ich anfangen, die Bibliotheksverantwortlichen mit Emails zu nerven. Denn das kann letztlich ja auch nicht sein...
Ich hab neulich genau eine spezielle Seite aus der JuS gebraucht und genau die Seite war rausgerissen. Ziemlich asozial
AntwortenLöschenversteckt? naheliegender wäre dass es geklaut wurde, das passiert in Bibliotheken auch nicht gerade selten. Grade wenn man daran denkt, wie teuer Fachbücher sind...
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