Sonntag, 19. September 2010

Kulturgrampf

Das größte Kostümfest Volksfest der Welt hat seine Pforten geöffnet. Für 17 Tage wird München wieder das Zentrum des kollektiven Alkoholismus sein. Auch die Trachten-Branche freut sich. Sind Lederhose und Dirndl doch mittlerweile ein "Mode-Must-Have"*.  Damit das so bleibt, müssen die Trachten immer "üppiger, ausgeflippter und vor allem kürzer" sein.** Das richtige "Event-Outfit" sieht dann für den Mann ungefähr so aus:


Christoph Süß in seiner Sendung "Quer" vom 16.9.2010
Wer mindestens 5 Fehler an der "Tracht" aufzählen kann, hat die Chance einen Überraschungspreis zu gewinnen.***

Hat natürlich mit einer traditionellen bayerischen Tracht nicht wirklich viel zu tun.
So verkleidet, fällt man unter den besoffenen Neuseeländern, Japanern, Italienern und Preissn auch sicher nicht mehr auf.
Ich will mich jetzt gar nicht drüber auslassen, was das noch mit Tradition zu tun haben soll. Eine Antwort scheint mir hier sowieso nicht möglich.

Vielmehr interessiert mich, was einen Rheinländer veranlasst, sich einzubilden, eine bayerische Tracht zu brauchen? Und dann auch noch so eine Billiglederhose aus dem "Trachten-Outlet" für 89 Euro, inklusive Haferlschua.
Laut SPON holen sich manche Leute ihre "Sepperlhose" sogar aus dem Kostümverleih. Ja wo samma denn!

Wir halten also fest: der Preiß an sich will zwar Tracht tragen, aber nur wenig Geld dafür ausgeben. Deshalb holt er sich die Lederhose bei C&A oder gleich vom Kostümverleih. Außerdem trägt er sie nur einmal im Jahr, wenn er sich die Birne wegballert. Hört sich verdammt nach Karneval an.Und damit kennt sich der Rheinländer ja aus.

An dieser Stelle ein Vorschlag von mir: Man macht einfach eine Unterscheidung zwischen "echten" Trachten und, hm... "volkstümlicher Kleidung" oder so.
Unter letzteres könnte man dann wunderbar die Mini-Dirndl (am besten noch in schwarz), rosa Hemden, Halstücher und Sepperlhüte subsumieren.
Damit könnte vielleicht die Würde der Tracht einigermaßen gewahrt werden und sie davor schützen, zu einem Modegag zu verkommen.
Wobei sich der "richtige" Bayer sowieso eher an die Worte des weisen Günter Grünwald hält und das Wort "Landhausdreck" verwendet.

*Peter M. Kaiser von der Firma "Kaisergwand" aus München.
** SPON
*** Antworten in die Kommentare, Einsendeschluss war gestern.

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