Montag, 16. November 2009

A gentleman's sport?

In der aktuellen Schiedsrichterzeitung findet sich ein Artikel über Schiedsrichtertrikots im Wandel der Zeit. Was meine Aufmerksamkeit besonders auf sich zog, war allerdings weniger der Artikel, als viel mehr dieses Foto und die dazugehörige Bildunterschrift:



(Quelle: Schiedsrichterzeitung 5/2009)

Was ist von "Gentleman-Spieler" übrig geblieben?
Gut, in den höheren und höchsten Klassen geht es um (sehr) viel Geld. Da versucht man mit allen Möglichkeiten zu Gewinnen.
Aber mittlerweile geht es ja schon in der A-Klasse mit kleinen, ja unsportlichen, Nicklichkeiten los. Mir schießen allein aus der gerade vergangenen Hinrunde tausend Beispiele durch den Kopf:
  • Ein Spieler geht in den Zweikampf, steigt aber auf den Ball und stürzt schreiend. Erst bleibt er liegen, um zu provozieren, dass der Ball ins Aus gespielt wird, damit er behandelt werden kann. Als der Ball jedoch zufällig wieder in seine Nähe kommt, springt er auf und läuft Richtung Tor.
  • Zwei Spieler der gleichen Mannschaft stoßen zusammen und bleiben "verletzt" liegen. Als beide merken, dass sie nicht vom Gegner getroffen wurden, stehen sie auf und spielen weiter.
  • Freistoß kurz vor dem Strafraum. Nachdem ich die Mauer gestellt habe, will eine Mannschaft auswechseln. Während der Auswechslung sehe ich im Augenwinkel, wie sich die Spieler einige Schritte nach vorne bewegen. Als ich sie darauf anspreche, streiten die sie alles ab.
  • Nachdem eine Mannschaft den Ball ins Aus gespielt hat, um die Behandlung eines Spielers zu ermöglichen, wirft die andere Mannschaft den Ball zwar zurück, aber oft sehr weit oder in Richtung Eckfahene, um letztendlich doch wieder einen Vorteil zu haben.
  • von unzähligen Diskussionen, Ball wegschießen und Fordern von Gelben Karten fange ich gar nicht erst an...
Und das ist nur ein kleiner Einblick. Mein persönliches Highlight ist übrigens das erste Beispiel.

Aber im Amateurfußball geht es doch eingentlich in erster Linie um den Spass am Spiel. Und trotzdem agieren in der Kreisklasse einige Kameraden mit solch einer "Motivation", als ginge es um den Einzug ins Champions-League-Finale. Und das hat natürlich Folgen.
Zum einen habe ich das Gefühl, dass es immer mehr Verletzte gibt. Bei drei von meinen Hinrundenspielen musste sogar ein Krankenwagen gerufen werden.
Durch das überharte Einsteigen einiger weniger, werden auch die anderen Spieler "radikaler". Oft wird dann behauptet, dem müsste der Schiedsrichter entgegenwirken. Aber diese Aufgabe ist wirklich nicht leicht. Man soll einerseits die etwas filigraneren Spieler vor den rubusteren Schützen. Andererseits wird einem allzuschnell vorgeworfen, kleinlich zu sein und den Spielfluss zu häufig zu unterbrechen.
Der schlimmere Fall ist jedoch wenn sich Spieler ganz vom Fußballsport abwenden. Seies auf Grund eigener Entscheidung oder aber auch auf Druck des Arbeitgebers. Ich kenne einige Beispiele in meinem Bekanntenkreis, bei denen der Chef ausdrücklich davor gewarnt hat, Montags wegen einer Fußballverletzung nicht zur Arbeit zu kommen.
Werden Spieler gefoult, stachelt dies letztlich auch die Zuschauer an. Besonders in den unteren Klassen, wo ja oft Freunde und Verwandte am Spielfeldrand stehen.
Und schließlich macht es ja auch mir als Schiri am meisten Spaß, wenn sich die Spieler aufs Fußball spielen konzentrieren. Dann kann ich die Karten stecken lassen muss nur selten eingreifen.

Natürlich gibt es auch zahlreiche Gegenbeispiele. Aber die bleiben einem nur selten im Gedächtnis, sollte dies doch der Normalfall sein. Allerdings ist es schon so weit gekommen, dass ich, ein fußballerischer Idealist naivster Art, manchmal nach dem Schlusspfiff zu einzelnen Spielern hingehe und mich für das faire Verhalten bedanke.

Was ist also übrig vom "Gentleman-Spieler"? Es gibt ihn noch. Leider nur selten. Er wird oft belächelt. Ob seiner Spielweise aber auch respektiert. Nur ist er wohl eine bedrohte Art.

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