Samstag, 4. September 2010

Thilo Sarrazin und das Polemikproblem

Der Kollege Mathias Rosenhahn, aka Rechtler, hat eine schöne Zusammenfassung über die bisherige Entwicklung im "Fall Sarrazin" geschrieben.

Durch den Beitrag bin ich jetzt auch fest entschlossen, Sarrazins Buch selbst zu lesen.
Einerseits, weil das Buch laut Financial Times Deutschland vom 30.8.2010, eher sachlich und sparsam an Polemik sein soll. Andererseits will ich mir als aufstrebende Jungakademiker natürlich ein eigenes Bild machen.

Um bei der Polemik zu bleiben: ich fand sie nämlich grundsätzlich gar nicht so daneben. Durch diese bekam Thilo Sarrazin und damit die Integrationsdebatte, sehr viel Aufmerksamkeit.
Nur leider ist das Schwert der Polemik ein zweischneidiges, was sich in der aktuellen Diskussion meines Erachtens nur allzu deutlich zeigt. Es ist nämlich einfacher, auf den Sarrazin-Bashing-Zug auf zuspringen und über Judengene zu schwadronieren, als sich sachlich mit der Integrationsproblematik auseinander zu setzen.
Einige Aussagen des Herrn Sarrazin waren zweifellos überflüssig (s.o.).
Aber das Diskussionsverhalten vieler, ich nenne als Beispiel hier statt mehrerer nur Renate Künast in der Talkshow "Beckmann", ist alles andere als vorbildlich.
Ergebnis: Im Mittelpunkt steht momentan nicht die kritische Auseinandersetzung mit der Zuwanderungs- und Integrationspolitik. Titelthema in den Onlineportalen der großen Nachrichtenjournale ist vielmehr der Abberufungsantrag der Deutschen Bundesbank.

Sollte Sarrazin tatsächlich entlassen werden, bin ich sehr gespannt auf die Begründung. Nachdem es eine "inhaltliche Bewertung der Äußerungen Sarrazins" (FTD vom 3.9.2010) nicht geben wird, bleibt für mich als Grundlage nur noch die Tatsache, dass er sich überhaupt geäußert hat. Interessant wird dann, wie sich das mir der Meinungsfreiheit verträgt.

5 Kommentare:

  1. Werde das Buch bei Gelegenheit auch lesen.. sonst kann man irgendwie nicht mitreden.

    Die Stellungnahme der Bundesregierung steht ja noch aus. Die Begründung dürfte interessant werden...

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  2. Selbstverständlich fällt die Äußerungen von Herrn Sarrazin unter die Meinungsfreiheit. Dies bedeutet aber nicht, dass die Bundesbank ihn als Repräsentant der Bundesbank weiter behalten muss. Seine Meinung repräsentiert nicht die Meinung der Bundesbank und schadet ihrem Ansehen. Deshalb ist es auch folgerichtig, dass Herr Sarrazin abberufen werden soll.

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  3. und wieder ist es einmal erwiesen , wer die wahrheit sagt wird abserviert, aber die ignorante blinde dummheit unsrer fachleute (politikern und medien) spricht ja eh für sich, aber das sind leute die dem alltag eh davonlaufen,sollten sich mal wirklich unters volk mischen , und hören was die menschen sagen und bewegt ,dann wüssten sie was sache ist.--und sarazzin hat doch recht

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  4. Die Wahrheit? Ganz ueberfluessigerweise hat er eine Debatte ueber Genetik angestossen, vielleicht sollten wir hier eine ueber Rassismus anschieben. Sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus das gleiche? Dachte, es haette was mit Rasse zu tun.

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  5. Frau Schroeder beklagt die Fremdenfeindlichkeit der Fremden gegenueber Deutschen, weil irgendwer, offenbar ein Fremder, zu ihr "deutsche Schlampe" gesagt hat, und die FAZ macht daraus "Auch das ist Rassismus"..

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