Das erste Fußballwochenende der Saison 2010/11 ist vorbei und schon gibt es Diskussionsstoff. Der Schiedsrichter Dr. Felix Brych zückte die schnellste Rote Karte der Bundesligageschichte. Bereits nach 92 Sekunden wurde der Kölner Youssef Mohamad mit der schwersten Strafe, die das Regelwerk kennt, belegt.
Grund dafür war jedoch nicht die schwere des Vergehens, sondern die Tatsache, dass er durch das Foul eine klare Torchance verhindert hat. Hoffer wurde steil geschickt, war alleine auf dem Weg zum Tor und hatte nur noch den Torwart vor sich. Dabei kreuzte er Mohamads Laufweg und wurde so von diesem zu Fall gebracht. Eine klare Torchance, ein klares Foul, also Feldverweis.
Bei der sogenannten "Notbremse" kommt es also nicht auf die schwere des Vergehens an, sondern lediglich darauf, ob dem Angreifer die Möglichkeit genommen wird, mit großer Wahrscheinlichkeit ein Tor zu erzielen.
Unproblematisch ist diese Regelung indes nicht, so plausibel sie auf den ersten Blick auch scheint. Der Spieler wird nämlich des Feldes verwiesen, obwohl man nicht weiß, ob den der Angreifer tatsächlich den Ball im Tor untergebracht hätte.
Auch wird nicht berücksichtigt, inwiefern der Verteidiger mit direktem Vorsatz handelte oder ob der Stürmer einfach nur den Weg kreuzte und es "blöd herging" (was nach Fußballregeln natürlich ebenfalls ein Foul wäre).
Der Foulende wird somit demjenigen gleichgestellt, der absichtlich den Ball kurz vor überschreiten der Torlinie mit der Hand aufhält, was wertungsmäßig deutlich unsportlicher ist.
Noch deutlicher wird dies, wenn das Foul innerhalb des Strafraums stattfand: Auch wenn das Vergehen nicht einmal gelbwürdig war, wird der Spieler hinaus geschickt. Dazu bekommt die andere Mannschaft auch noch einen Strafstoß, welcher laut Wikipedia zu 80% verwandelt wird. Die verteidigende Mannschaft wird also doppelt bestraft: Sie spielt fortan in Unterzahl und kassiert zu 80% ein Gegentor.
Wieso die Regelung trotzdem in Ordnung sein könnte:
Einerseits dient sie zur Abschreckung der Verteidiger. Es soll vermieden werden, dass in engen Spielsituation, beispielsweise einem Unentschieden kurz vor Schluss, Spieler Fouls in Kauf nehmen, um sich Punkte zu sichern.
Ein weiterer Effekt ist, dass mehr Tore fallen, da sich der Verteidiger, sobald er der letzte Mann ist, zügeln muss.
Letztendlich muss das Regelwerk auch einfach gehalten werden. Es wäre durchaus möglich, Ausnahmen einzuführen, beispielsweise den foulenden Spieler noch im Spiel zu belassen und die Wirkung des Strafstoßes abzuwarten. Wird ein Tor erzielt, hatte die Mannschaft ja keinen Nachteil; wird der Ball gehalten, muss der Spieler gehen. Aber dies würde weitere Folgefragen aufwerfen (Was, wenn der Spieler lediglich vorbeischießt, also selbst schuld ist? Was, wenn er absichtlich verschießt? usw.).
Deshalb muss man sich für die jetzige Regelung entscheiden, auch wenn die Ergebnisse manchmal hart sind. Die Spieler wissen, worauf sie sich einlassen, zumal die Notbremse eines der bekanntesten Institute im Fußball ist.
Zum Schluss noch ein kleines Detail aus dem Video: Nach 7 Sekunden, sieht man, wie sich der Schiedsrichterassistent nach dem Pfiff in Richtung Mittellinie bewegt. Damit zeigt er dem SR an, dass sich das Foul noch vor der Strafraumgrenze ereignete und es also lediglich Freistoß gibt. Aber das nur so nebenbei...
Die hiesige Tageszeitung hat sämtliche fragwürdige Entscheidungen des Spiels von einem Schiri kommentieren lassen.
AntwortenLöschenDas scheint eine angenehme Versachlichung zu bringen.
Welche Tageszeitung wäre das? Kann man das online nachlesen?
AntwortenLöschenIch muss ehrlich zugeben, dass ich das Spiel weder komplett gesehen, noch sehr viel Berichte darüber gelesen habe.
Die Notbremsensituation würde ich ohnehin nicht als strittig bezeichnen. Nur ist die Strafe eben sehr hart, aber das habe ich oben schon dargestellt.
Leider wurde nur die Kurzversion Online gestellt:
AntwortenLöschenhttp://www.op-online.de/sport/fussball/nach-sekunden-neuer-bundesliga-rekord-887564.html
Aber die Kommentierung vom Schiri kann man auch anderweitig nachlese. Z. B.:
http://www.radioberg.de/berg/rb/505203/news/sport