Montag, 16. August 2010

Bilder von Häusern (engl.: Streetview)

Momentan wird rege über Google Streetview diskutiert.
Viele stehen dem Dienst kritisch gegenüber. Freilich sind das vornehmlich solche Menschen, die sich hauptsächlich in der analogen Welt (irgendwas mit real life oder so, hab keinen Link gefunden...) bewegen. Sie begründen ihre Haltung mit der Angst um ihre Privatsphäre. Diesen Punkt lasse ich mir vielleicht im Grundsatz noch eingehen. Aber auf bildblog.de findet sich ein schöner Artikel, in dem wohl genau solche Menschen zu Wort kommen. Und offensichtlich wissen die nicht wirklich, um was es sich bei Streetview denn handelt. Darunter übrigens auch ein paar B- C- D-Promis.

Um für mehr Aufklärung und Beruhigung der deutschen Gemüter zu sorgen, hat Google jetzt eine Zeitungskampagne gestartet. Diese fiel mir im aktuellen SPIEGEL auf, weil die Anzeige die kompletten Seiten 4 und 5 belegt:

Anzeige aus DER SPIEGEL 33/2010

Des weiteren räumt Google die Möglichkeit ein, sein Häuschen verpixeln zu lassen. Dazu gibt es auf der Homepage des Verbraucherschutzministeriums ein Musterformular.
Dies führt aber wieder zu einer neuen Problematik, auf die mich gestern ein Mitglied unseres Juristischen Wohnheimrates (JWR; an dieser Stelle vielen Dank an Christina. H.*) aufmerksam machte:

Angenommen ich bin Eigentümer einer Reihe von Immobilien und schicke nun an Google eine Liste mit der Adresse aller Liegenschaften...

Na? Wer merkt was?

Wenn ich schon nicht will, dass ein Foto meines Hauses (wohlgemerkt von der Straße aus!) anonym im Internet zu sehen ist, will ich dann, dass der größte Datensammler in der Geschichte der Überwachung weiß, welche Immobilien mir gehören?
Muss ich vielleicht sogar nachweisen, dass ich tatsächlich Eigentümer bin?
Und was, wenn ich umziehe? Wird das Haus dann sichtbar? Meldet sich Google wieder bei mir?

Außerdem habe ich noch folgendes "Gegen"-Argument gehört: "wozu braucht man das denn?". Und das ist ganz einfach zu beantworten: Man kann es einfach. Wenn es darum ginge, bräuchten wir auch kein Internet, Handy... Sogar ich (!) kann mich noch an eine Zeit vor dem Handy erinnern, als auch so mancher fragte "Wozu?".
Sicherlich werden einige Moralaposteln jetzt sagen, man müsse nicht immer alles machen, nur weil man es kann. Diesen Stimmen möchte ich entgegenhalten, dass wir hier nicht über einen ethisch fraglichen Vorgang (Geburtenkontrolle; Klonen sechsarmiger Riesen, die in Fabriken arbeiten; weißdergeierwas...) reden, sondern über Bilder (nicht mal Videos! Fotos!!) im Internet, die Straßen und Häuser zeigen, die sich jeder Mensch auch so ansehen kann. Jetzt hat er lediglich die Erleichterung, dass er nicht hinfahren muss.

Ich glaube übrigens, dass genau das die Leute sind, die den Dienst als erste ausprobieren werden.

Natürlich will ich die positiven Stimmen im Netz an dieser Stelle nicht verschweigen, beispielsweise hier, dort und da.


*Name von mir gekürzt. Es geht nicht um die Anonymität, der Post war nur schon zu lang ;)

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