Bei einem solchen Kaffeetrinken kamen wir einmal mit einigen Funktionären des Heimvereins ins Gespräch. Wir unterhielten uns gut, hauptsächlich natürlich über Fußball. Zur Sprache kam auch die "Verrohung des Sitten". Wir waren uns einig, dass die Beschimpfungen von Zuschauerseite her immer schlimmer würden und viele wohl nur noch Eintritt bezahlten, um sich ihren Frust der letzten Woche von der Seele brüllen zu dürfen.
Kurz bevor wir zum Aufwärmen gingen, wurden wir noch eingeladen, nach dem Spiel zum Essen ins Vereinsheim zu kommen. Die Einladung gelte selbstverständlich unabhängig vom Spielergebnis.
Wir freuten uns besonders, da von der Wirten gemischter Braten angekündigt wurde. In Anbetracht des kalten Wetters eine sehr schöne Aussicht! Dann machten wir noch die üblichen Scherze, wie: "Ja wenn wir uns dann noch reintrauen dürfen!". Darüber wechselten wir auch noch einige Worte und wir Schiedsrichter stellten fest, dass es uns tatsächlich noch nie passiert war, dass wir uns nach dem Spiel nicht mehr trauten, einer Essenseinladung nachzukommen. Davor kam es erst ein Mal vor, dass WIR einen solchen Groll auf den VEREIN hatten, dass wir sofort nach Hause fuhren. Unsere Gesprächspartner hätten also bescheid wissen können.
Das Spiel an sich verlief dann ohne besondere Vorkommnisse. Nur eine Sache brachte uns unglaublich auf die Palme: Einer der obigen Gesprächspartner meinte, wir könnten ihm unseren Kabinenschlüssel während des Spiels anvertrauen, was bei uns nicht unüblich ist und bisher auch noch nie zu Problemen geführt hatte.
In der Halbzeitpause war dann besagter Herr nicht mehr auffindbar, d.h. wir mussten die Pause im Freien verbringen. Nicht nur, dass wir die Ruhezeit dringend brauchen, um uns über das Spiel auszutauschen. Es war an diesem Tag auch A****kalt! Und auch sonst war es Niemandem in diesem Verein möglich, ihn oder wenigstens einen Zweitschlüssel zu finden. Diese viertel Stunde machte uns die Laune für das ganze restliche Spiel kaputt.
Nach dem Schlusspfiff steckten wir die Köpfe zusammen und kamen sehr schnell überein, die Einladung an diesem Tag sausen zu lassen. Nicht nur, dass uns der Typ in der Halbzeitpause frieren ließ, er fiel dann in der zweiten Halbzeit mehrfach durch unqualifizierte Kommentare auf, die er selbst vor dem Spiel eigentlich verteufelt hatte. Wenigstens wussten wir dann, wo er stand und konnten uns sofort nach Schlusspfiff den Schlüssel holen.
Als wir nach dem Duschen aus der Kabine kamen, fragte er uns, ob er schon wegen dem Essen bescheid geben könne. Die Antwort, es wäre schon spät und wir müssten nach Hause, um noch zu lernen, löste bei ihm nur ein freundliches und verständnisvolles "Achja, ihr seid ja alle drei Studenten. Beim nächsten Mal dann!" aus.
Auf dem Nachhauseweg dachten wir dann darüber nach, ob er den Seitenhieb verstanden hätte. Kurzzeitig meinten wir, er wollte sich in dem Moment nur nichts anmerken lassen oder es war ihm ganz Recht, dass wir nicht mehr blieben, da wir in seinen Augen ja so schlecht waren.
Letztendlich kamen wir aber überein, dass er es einfach nicht verstanden hatte. Ich bin mir nicht sicher, ob mich das nicht auch noch gestört hat.
Oh Gott. Probleme gibts. Ich finde es schön, dass es offenbar noch Spiele gibt, in denen nicht gegen Juden, Schwule und Schwarze gehetzt wird. Auch wenn dann vielleicht mal für eine viertelstunde ein Schlüssel unauffindbar ist. Wenn das aber schon zu schwersten diplomatischen Verstimmungen wie geplatzten Essens-Gipfeln führt, dann frage ich mich, was die Überschrift des Artikels mit dem Inhalt zu tun hat.
AntwortenLöschenOder war das selbstironisch?
Dass nicht gegen Juden, Schwule und Schwarze gehetzt wird, ist in unserer Gegend glücklicherweise Standard, wenngleich Ausnahmen die Regel bestätigen. Wobei ich das Rassismusproblem im Fußball jetzt auch gar nicht verharmlosen will.
AntwortenLöschenEs geht mir an dieser Stelle mehr darum, dass es sich oben um ein Spiel einer bereits etwas höheren Liga handelt, in welcher von allen Beteiligten schon Ansätze einer gewissen Professionalität erwartet werden (bei uns Schiris z.B. bei Vorbereitung, Auftreten, Anreise). Die Schlüsselsuche ist insofern durchaus problematisch, als die Kabine in der Halbzeitpause für uns Schiris nicht nur aus Erholungssicht wichtig ist. Dort können wir uns auch - in Ruhe - über Geschehnisse aus der ersten Halbzeit und über weiteres taktisches Vorgehen beraten.
Es passt zudem nicht, wenn sich der Verein nach außen möglichst professionell gibt (und das btw auch von uns erwartet) und dann solche Aktionen veranstaltet. Man möge mal daran denken, was geschehen würde, wenn die Gastmannschaft ihre Pause im Freien hätte Verbringen müssen.
Wir hätten natürlich auch noch die Möglichkeit gehabt, den Verein nach dem Spiel zu melden, was vermutlich eine (kleine) Strafe zu Folge gehabt hätte. Aber das wäre dann auch aus unserer Sicht zu kleinlich gewesen. Und mir persönlich genügt es, meinen "Grant" hier im Blog abzuladen ;)
Die Kombination mit der Kälte und eben auch dem Verhalten unseres Schlüsselverwahrers während des Spiels, schlug uns dann eben mächtig auf die Laune.
Aber ich muss zugeben, dass dies im Vergleich zu anderen Themen (siehe Rassismus, Fangewalt), wohl ein Luxusproblem ist.
Was die Überschrift betrifft: In meinem Blog lassen die Überschriften ab und an tatsächlich etwas Interpretationsspielraum, was u.a. daran liegt, dass sie, wie hier, als „Eyecatcher“ dienen sollen.