Vorurteile sind böse. So oder so ähnlich bekommt man das von klein auf mit. Aber trotzdem hat jeder welche. Das finde ich auch nicht schlimm, solange man weiß, wie man mit ihnen umgehen muss. Man sollt eben trotzdem offen und bereit sein, seine Meinung unter Umständen zu ändern. Das obliegt einerseits uns selbst, andererseits erwarten wir es auch von anderen.
Das fällt jedoch schwer, wenn es immer wieder Leute gibt, die Vorurteile vortrefflich bestätigen. Mit Deutschen wird ja im Ausland immer eine, sagen wir‘s mal positiv, Liebe zu Vorschriften und eine gewisse Autoritätshörigkeit verbunden, siehe hier. Und genau das sehe ich in letzter Zeit immer wieder bestätigt.
Immer öfter höre ich von Leuten, bei denen das Fünkchen Autorität, das ihnen die Dienstmütze verleiht, einen Waldbrand der Überheblichkeit entfacht.
Damit meine ich jetzt gar nicht zwingend Polizisten, sondern viel mehr solche Personen, die zwar eher „einfach strukturiert“ sind, es aber auf Grund eines Zufalles irgendwie auf eine Position geschafft haben, in der sie gegenüber anderen Personen in irgendeiner Form Macht ausüben können.
Als Beispiel fällt mir das „Gespräch“ zwischen einem Autofahrer, der eine falsch parkende Mutter verteidigte, und einer Politesse ein. Zu sehen war es in irgendeiner der zahlreichen Dokusoaps über „Ordnungshüter“. Autofahrer: „Hätten sie was richtiges gelernt, müssten sie hier jetzt nicht arme Leute abzocken!“. Politesse: „Ich hab den qualifizierten Hauptschulabschluss! Und Sie!?“. Da der Autofahrer in einem etwas größeren Gefährt unterwegs war, unterstelle ich ihm mal eine mindestens gleichwertige Bildung…
In der Adventszeit waren in Regensburg zwei lustige Gestallten in dunkelblauen Uniformen unterwegs. Nehme mal an, die waren vom Ordnungsamt oder ähnliches. In Kontakt kam ich mit ihnen auf dem Christkindlmarkt. Weil es erst der zweite Tag nach der Eröffnung war, hielt sich der Besucheransturm noch in Grenzen. Entsprechend machte ein durchkommen eher wenig Probleme. Ein Freund von mir unterhielt sich mit einer Bekannten, die es wagte im Durchgang stehen zu bleiben. An und für sich eigentlich nicht schlimm, außen herum war genug Platz um unsere Gruppe mit einem geschätzten Umweg von 48cm zu umgehen. Jedoch ließ es sich der ältere der beiden Hilfssheriffs nicht nehmen, das Mädel aufzufordern, den Gang frei zu machen. Beinahe kam sie dem sogar nach. Nachdem sie sich aber dann doch weigerte, nahmen die beiden den unsäglichen Umweg auf sich.
Momentan heiß diskutiert ist ja das Verhalten einer Zugbegleiterin in Brandenburg, die eine 16-Jährige Schülerin nachts bei minus 18 Grad aus einem Zug verwies, weil diese den falschen Fahrschein hatte.
Ausrede war, sie „tue nur ihren Dienst“. Hm… kommt einem auch irgendwie bekannt vor. Das ist ja traditionell die deutsche Entschuldigung dafür, einfach mal sein Hirn auszuschalten. Die Dame hätte wohl nicht mal ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn dem Mädchen was zugestoßen wäre, sie hat ja, vermeintlich, nach Vorschrift gehandelt und wäre daher gerechtfertigt.
Allerdings bedarf es für solches Verhalten gar nicht zwingend einer Uniform. Hierbei denke ich an unzählige Hausmeister, Türsteher und ähnliche Servicekräfte. Diese Leute sollten eigentlich für einen da sein, wenn man sie braucht. Allerdings geben sie einem oft das Gefühl eher lästig zu sein oder arbeiten gar aktiv gegen einen. (Die Erfahrungen mit unseren Hausmeistern wären übrigens einen eigenen Blog wert…)
Warum sind die Menschen (oder die Deutschen?) so? Unzufriedenheit? Neid auf den anderen, der jetzt gerade nicht arbeiten muss? Genuss des Machtmoments? Ich weiß es nicht.
Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass solche Leute in naher Zukunft aussterben werden. Gut so. Wir dürfen den englischen Touristen in Deutschland ja nicht enttäuschen...
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