Mittwoch, 23. September 2009

Jura ./. Schiedsrichter

Jetzt mal ein allgemeiner Post, um die Brücke zur Schiedsrichterei zu schlagen.
Wenn ich mich vor oder nach einem Spiel mit Spielern, Vorständen, Zuschauern oder anderen ganz wichtigen Leuten unterhalte, kommt früher oder später die Frage, was ich denn im richtigen Leben mache (meist nach der Frage nach meinem Alter). Wenn die dann als Antwort "Jurastudent" bekommen, folgt einem erstaunten "oooh" regelmäßig der Kommentar: "Jura und Schiri, das passt ja gut zusammen!"

Sicher?

Gut, ein paar Gemeinsamkeiten kann ich nicht leugnen:
  • bessere Regel-/Rechtskenntnis als Spieler/Nichtjuristen
  • komische Kleidung, die sich deutlich vom Rest der Welt abhebt
  • Es gibt immer eine Partei, die sich hinterher ärgert
  • und schließlich: man trifft Entscheidungen
Aber in letzterer Gemeinsamkeit, seh ich auch gleichzeitig den größten Unterschied:
Nämlich in der Art und Weise, wie die Entscheidungen zu Stande kommen.

Einem Richter wird der Sachverhalt lang und breit vorgetragen, Beweise werden vorgebracht, er kann nachfragen und vor allem: er hat Zeit nachzudenken.
Ein Schiedsrichter nimmt eine Situation wahr und muss sofort entscheiden. Weder kann er sich die Beteiligten anhören oder sie befragen, noch hat er lange Zeit, sich das Geschehen durch den Kopf gehen zu lassen. In den ersten Semestern, lernt man, einen noch so einfachen Sachverhalt gründlich auf alle möglichen Probleme zu prüfen, während der Schiri innerhalb von Sekunden entscheiden soll, ob ein Foul vorlag, ob es innerhalb oder außerhalb des Strafraums war, ob er eine Karte ziehen muss...

Aber ich glaube, es ist gar kein Zufall, dass ich zwei Tätigkeiten nachgehe, die etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben. Vielleicht liegt es mehr an mir?
Wahrscheinlich liegt es einfach an einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, dass jemand Schiedsrichter wird. Dies würde erklären, warum so viele Schiedsrichterkollegen (besonderes solche, die in höheren Ligen sind) oft ihre Berufung in der Exekutive oder Judikative gefunden haben.

Letztlich passen Jura und Schiri wohl doch zusammen. Das Verbindende ist aber nicht primär die Regel-/Rechtsanwendung oder das fällen von Entscheidungen/Urteilen.
Vielmehr gehts um die innere Einstellung jedes Einzelnen.

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