...ich hätte da mal ne Frage...
So oder so ähnlich hat diesen Satz jeder (angehende) Jurist sicher schon mal gehört. Mir begegnete er in den letzten Tagen ungewöhnlich oft, vielleicht streiten die Leute vor Weihnachten besonders gerne, ich weiß es nicht.
Es wird dann erwartet, dass man die richtigen Antworten und Ratschläge sofort parat hat, man sei ja schließlich schon im siebten Semester.
Freilich versucht man dann, so gut es geht eine Einschätzung der Lage zu geben. Was ich aber nicht nur bei mir, sondern auch bei fast allen Kommilitonen beobachtet habe: die meisten Worte verwendet man darauf, dem Fragenden klar zu machen, dass man sich absolut nicht sicher ist, dass man sich (noch) zu wenig auskennt, dass es in Deutschland ein Rechtsberatungsmonopol gibt und man doch zum Anwalt gehen soll, wenn man eine verlässliche Beratung will.
Die Antwort ist dann regelmäßig: "Aber der kostet doch so viel!"
Ja, das hat einen Grund. Er hat eine jahrelange, anstrengende und kostspielige Ausbildung inklusive zwei Examina hinter sich, die ich noch nicht habe.
Ein Prof. brachte es einmal auf den Punkt: Man solle die Leute doch mal fragen, ob sie sich von einem Medizinstudenten im sechsten Semester behandeln lassen würden.
Das vermeintliche Kostenargument ist aber wohl auch der Grund, warum sich viele Menschen in Rechtsfragen nur zu gerne von ihrer Bank, ihrer Werkstatt, ihrem Versicherungsvertreter etc. beraten lassen. Und die weisen nicht reelmäßig darauf hin, daß sie sich nicht ganz so sicher sind.
AntwortenLöschenNicht selten wird daraus ein Blindflug :)
Ich würde die Fragen nicht so negativ sehen, schließlich lernt man viel dabei, sich mit alltäglichen Problemen auseinander zu setzen und gewinnt Sicherheit bei Standartfragen. Außerdem kommts regelmäßig auf Grundlagen an. Sicher kann man keine verlässliche Rechtsberatung leisten (darf man außer bei engen Verwandten ja auch nicht), aber mal ausdrücklich seine Meinung zu einem spannenden juristischen Problem, oder einem Randgebiet, in das man sich erstmal einlesen muss zu geben, macht mir persönlich Spaß. Auch selbst hat man ja immer wieder Fragen, die gelöst werden wolen, z.B. sowas: http://bearbeiter.blogspot.com/2010/12/feuer-machen-im-wald-der-rechtliche.html .
AntwortenLöschenDennoch beantworte ich keine konkreten Rechtsfragen, die mir von Unbekannten gestellt werden.
noch besser sind die leute die sowas auf yahoo clever, gutefrage.net usw. posten
AntwortenLöschenIch glaube aber, das geht nicht nur Juristen so.
AntwortenLöschenEs ist natürlich so, dass Juristen das Glück bzw Pech haben, ein Fach zu vertreten, das im Prinzip alles umfasst. Jeder nur denkbare Konflikt lässt sich irgendwie auch juristisch sehen. Daher ist der Jurist als Universalgenie natürlich auch in allen Lebenslagen qualifiziert, seinen Rat beizusteuern bzw um seine Einschätzung gebeten zu werden.
Meine Mama als Krankenschwester wird aber auch desöfteren mal um eine "was könnte das denn sein?"-Meinung gebeten.
>Daher ist der Jurist als Universalgenie natürlich auch in allen Lebenslagen qualifiziert, seinen Rat beizusteuern bzw um seine Einschätzung gebeten zu werden.
AntwortenLöschenNein, dass ist er fast gar nicht. Es wird aber geglaubt und niergens ist der Glaube so groß und das Ansehen so wichtig wie in der Justiz. Um rechtlich beraten zu können braucht man keine 2 Staatexamina, denn im Studium lernt man nur einen Bruchteil dessen was es an Recht gibt.
Erst aufgrund des Inhalts der Schriftstücke Rechtsanwalt und dann NICHTS:
http://zentrumsforen.net/beschwerdezentrum/justizirrtum/forum/archive/911.html#913
Die unter dem Link postende Person berät dahr auch nur Rechtsanwälte rechtlich, welches nach dem RDG allerdings ebenfalls nicht erlaubt ist.
Das RDG besagt im ügrigen, dass Nichtjuristen grundsätzlich nur zuverlässigen Rechtsrat erteilen dürfen. Für Juristen gilt das aber nicht.
Wesel: ... Meistens wissen die Studienanfänger ja selbst nicht, worauf sie sich einlassen. Sie glauben wohl, mit Jura könne man alles Mögliche machen. Die Wenigsten wollen in der Welt Gerechtigkeit durchzusetzen. Vielmehr steht die individuelle Karriere im Mittelpunkt.
Wesel: ... Kaum einer weiß, dass die Rechtswissenschaft eine Herrschaftswissenschaft ist. Selbst im Studium wird das nicht gelehrt. Die Mehrzahl erhofft sich, als Richter oder Anwalt ein gutes Einkommen zu haben.
Wesel: Das Buch ist nicht nur eine Kritik an den Anwälten. Ich stelle auch positive Beispiele dar. In der Tat glaube ich aber, dass in der Anwaltschaft im Vergleich zu anderen Berufen überproportional viele Fehler gemacht werden. Das habe ich kritisiert. Ursache für diesen Umstand ist vor allem, dass Juristen eben nicht primär als Anwälte, sondern als Richter ausgebildet werden. Und im Übrigen kommt dann die eingangs erwähnte Motivation, die nicht auf Gerechtigkeit, sondern auf Umsatz und Einkommen gerichtet ist, hinzu.
ROLF LAMPRECHT: Die Lebenslüge der Juristen. Warum Recht nicht gerecht ist
Glückssache Gerechtigkeit
Recht hält selten, was es verspricht. Es hängt von Menschen ab, und die können irren. Wie sehr und wie oft, erfuhr Rolf Lamprecht als SPIEGEL-Beobachter bei den obersten Gerichtshöfen. Er erzählt von Willkür, von Unrecht – und von beherzten Klägern, die sich, von ihrem Rechtsempfinden getrieben, bis in die höchsten Instanzen kämpfen.
Falscher Staatsanwalt als Fälscher vor Gericht
AntwortenLöschenSchwindel Jurist ohne juristische Ausbildung und ohne juristische Kenntnisse bei der Staatsanwaltschaft mit steiler Karriere
Falscher Anwalt foppt die Justiz, 20.11.2001
Drei Jahre lang ging er als angeblicher Anwalt mit Doktortitel bei Gericht ein und aus. Der Chef, die Kollegen waren mit Karl-Heinz B.s juristischem Sachverstand zufrieden.
Falscher Anwalt mit Dr. Titel arbeitete in Top-Wirtschaftskanzleien, 09.06.2010
...Er hatte es geschafft in gleich 3 renommierten Wirtschaftskanzleien in Frankfurt als Rechtsanwalt eingestellt zu werden und dort insgesamt 2 Jahre und 8 Monate zu arbeiten.
Falscher Anwalt täuscht mehr als 100 Richter, 25.03.1999
Ex-Häftling gründet Kanzlei - "Ausbildung" in Gefängnis-Bibliothek
Der hochseriös wirkende Einwanderer aus Nigeria hatte mehr als 100 Fällen verhandelt - vor Amtsgerichten bis hoch zum Old Bailey. Und dies so überzeugend, daß sich vor Gericht nun kein Ex-Mandant zum Zeugen gegen ihn hergab. Die Anklage resigniert: "Die sagen alle, einem besseren Anwalt seien sie nie über den Weg gelaufen."
..."Qualifiziert" hatte sich der Nigerianer im Gefängnis - vier Jahre wegen Betrugs reichten ihm, jedes Gesetzbuch aus der Gefängnisbibliothek zu studieren.
Falscher Anwalt entlarvt, 15.03.2007
In Schweinfurt ist offenbar seit April 2005 ein falscher Anwalt unterwegs gewesen. Laut einem Zeitungsbericht hatte sich der Mann mit gefälschten Abschlusszeugnissen einen Job in einer Schweinfurter Anwaltskanzlei erschlichen.
usw. usw.
http://justiz.xp3.biz
http://justiz.xp3.biz/juristenzitate.htm
Das ganze mit dem angeblich hoelitärem Juristenschwachsinn ist auch zur staatshörigen Dressur einer elitären Herrschaftsrasse gedacht und damit Juristen nicht mit anderen Menschen konkurieren müssen, denn dabei würde ja erschreckendes zu Tage treten. Und um das Ansehen hoch zu halten (das wichtigste in der Justiz), damit der Glaube in der Bevölkerung an etwas was nicht ist hoch zu halten.
Anwaltsschwemme und die drohende Konkurrenz durch Nichtjuristen bei der Rechtsberatung erfordern nach Meinung des DAV eine „Qualitätsoffensive“: Fortbildung, Spezialisierung, Image-Bildung, Marketing, Service ...
Da mit der Einführung des Rechtsdienstleistungsgesetzes die Rechtsberatungsmöglichkeiten für Nichtjuristen aber insgesamt dann doch noch mehr eingeschränkt worden sind wie zuvor nach dem Rechtsberatungsgesetz hat sich das ja wieder erledigt.
@Bearbeiter:
AntwortenLöschenich würde lügen, wenn mich ich behaupten würde, mir mache es keinen Spaß, mich mit konkrete Fragen auseinander zu setzen. Ansonsten hätte ich mein Studium verfehlt.
Es ist nur so, dass man eben nie einen 100%ig zuverlässigen Rat geben kann und dies nicht selten auf Unverständnis stößt. Das muss jetzt gar nicht an mangelndem Wissen liegen, sondern einfach an der Tatsache, dass es mehrere Meinungen geben kann oder man vom Fragenden zu wenig Informationen bekommt.
@F. Lorenz:
Ich habe lange überlegt, ob ich Ihnen überhaupt antworten soll, aber ich kam zu dem Entschluss, dass ich Ihren Kommentar (Ihre Kommentare?) so nicht stehen lassen will. Ich dachte übrigens auch daran, die Kommentare zu löschen, aber das erschien mir zu billig.
Auf der von Ihnen verlinkten (Ihrer?) Seite kommen Juristen nicht gut weg. Eine schlechte Meinung über Juristen zu haben, ist ihr gutes Recht.
Ich als Jurastudent, fühle mich aber auf die Füße getreten, wenn Sie mir durch solche Kommentare reines Karrierestreben unterstellen oder gar, dass ich nicht wisse, worauf ich mich einlasse.
Auch ich habe einige Bücher über das vermeintlich ungerechte deutsche Rechtssystem gelesen. Das erste war übrigens Lamprechts "Die Lebenslüge der Juristen". Obwohl ich damals am Anfang meines Studiums stand, wusste ich, dass davon nicht viel zu halten ist. Wenn man die geschilderten Fälle so verstehen WILL, wie sie einem der Autor vorstellt, kommt man natürlich unweigerlich zu dem Ergebnis, dass wir einem schlimmen Unrechtsstaat leben.
Ich darf also kurz festhalten, dass ich zum einen Ihre Meinung über den deutschen Rechtsstaat nicht teilen kann und es zum anderen verwegen finde, dass Sie meinen (vielleicht) zukünftigen Berufsstand in meinem Blog schlecht machen.
Hier übrigens ein Artikel, der heute auf SPON zu lesen ist:
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,733418,00.html
selbst ich als bwler hab festgestellt, dass sich 90% der alltagsfragen mit dem BGB lösen lassen. Wenn man also einmal das Prinzip des BGB verstanden hat, kann man sich auch recht gut selbst helfen. Selbst wenn man daneben liegt, die bloße Anwesenheit von Paragraphen in einer "Beschwerdemail" sorgt oft schon für Kulanz :)
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